Novak Djokovic – «Ich war nicht wirklich gesund»

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Novak Djokovic«Ich war nicht wirklich gesund»

Sensation: Novak Djokovic verliert erstmals seit dem French-Open-Finale 2015 an einem Grand-Slam-Turnier. Er unterliegt Sam Querrey in vier Sätzen.

Djokovic hatte seit dem French Open 2015 und seiner Finalniederlage gegen Stan Wawrinka 30 Grand-Slam-Matches hintereinander gewonnen. Am Freitag und am Samstag stand er aber ziemlich neben den Schuhen. Am Freitagabend war er bei einem 0:2-Satzrückstand noch vom Regen gerettet worden. Am Samstag musste die Partie erneut dreimal wegen des Wetters unterbrochen werden, das letzte Mal im vierten Satz beim Stand von 6:5 für Querrey.

Djokovic hielt danach seinen Aufschlag und ging im Tiebreak 2:0 und 3:1 in Führung. Er fand aber nie zur Konstanz auf höchstem Niveau, die ihn sonst auszeichnet. Querrey, ein 1,98 Meter großer Amerikaner mit starkem Aufschlag, musste nicht einmal brillant spielen, um nach knapp drei Stunden mit 7:6, 6:1, 3:6, 7:6 den größten Erfolg seiner Karriere zu feiern.

Djokovic gibt sich kryptisch

Djokovics Niederlage hat durchaus historische Dimensionen. Letztmals war der Serbe im French Open 2009 bei einem Grand-Slam-Turnier dermaßen früh gescheitert (gegen Philipp Kohlschreiber), seither erreichte er in 28 Turnieren immer mindestens die Viertelfinales. Erst vor einem Monat holte er in Paris die einzige große Trophäe, die in seinem Palmarès noch fehlte, und brachte sich in eine glänzende Position, um als erst zweiter Profispieler nach Rod Laver alle vier Grand-Slam-Events im selben Jahr zu gewinnen.

Djokovic gab sich nach der Niederlage als fairer Verlierer, äußerte sich aber auch reichlich kryptisch. Auf die Frage, ob er «100 Prozent gesund» gewesen sei, antwortete er: «Nicht wirklich. Aber das ist nicht der Ort, um darüber zu sprechen.» Sein Gegner habe auf einem sehr hohen Level gespielt und sich den Sieg verdient. Die vielen Regenunterbrüche auf Court 1 wollte er nicht für die Niederlage verantwortlich machen. «Das ist ja für beide gleich. Ich spürte einfach den Ball nicht gut.» Klar sei aber auch, dass er lieber auf dem mit einem Dach ausgestatteten Centre Court spiele.

Service als Schlüssel zum Sieg

Querrey konnte sein Glück kaum fassen. «Es ist unglaublich, Novak zu bezwingen. Erst recht hier in Wimbledon», sagte der strahlende Sieger. Er hob hervor, dass er vor allem bei den Breakbällen stark serviert habe. In der Tat packte Querrey bei Djokovics zwölf Chancen im vierten Satz fast immer ein Ass aus, 15 schlug er allein im entscheidenden Durchgang (total 31). Und als Djokovic dann doch einen Breakball zum 5:4 nutzte, schaffte Querrey umgehend das Rebreak.

Mit der Frage, was für ihn jetzt noch möglich sei, konnte Querrey so kurz nach seinem Coup nichts anfangen. «Ich weiß nicht einmal, gegen wen ich nun spiele», gestand er. Sein Achtelfinalgegner heißt Nicolas Mahut, kommt aus Frankreich und ist die Nummer 32 der Welt.

Federers neue Perspektiven

Das Aus von Djokovic eröffnet nun in der oberen Tableauhälfte viele neue Perspektiven, zum Beispiel für Roger Federer, der im Halbfinale auf die Weltnummer 1 getroffen wäre. Der Schweizer trifft in seinem Achtelfinale auf den formstarken Amerikaner Steve Johnson (ATP 29). Der Sieger des Rasenturniers vergangene Woche in Nottingham, der noch nie gegen Federer gespielt hat, setzte sich am Samstag in vier Sätzen gegen Grigor Dimitrov (ATP 37) durch.

(L'essentiel/kai/sda)

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