Deutscher IS-Kämpfer – «Ich war plötzlich ein angesehener Mann»
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Deutscher IS-Kämpfer«Ich war plötzlich ein angesehener Mann»

In Deutschland stehen zwei Jihadisten vor Gericht. Sie sehen sich als Opfer der IS-Propaganda-Maschinerie.

Der 27-jährige Ayoub B. und der 26-jährige Ebrahim H. B. müssen sich seit Montag im deutschen Celle vor Gericht verantworten. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Frühling 2014 für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien in den Krieg gezogen zu sein. Der Ältere soll zudem eine «schwere staatsgefährdende Gewalttat» vorbereitet haben.

Beide sind Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg und streiten Kampfhandlungen für den IS ab. Beide erzählen von einer gescheiterten Jugend.

«Falscher Prediger» schwärmt von «schnellen Autos»

Zu Beginn des Prozesses ist laut «Spiegel Online» ein Video zu sehen, in welchem Ebrahim H. B. seine Motivation für die Reise in den Jihad darlegt. Laut seinen Aussagen ist er ein Opfer der IS-Propaganda. In seiner Heimatstadt Wolfsburg habe ihm ein «falscher Prediger» schnelle Autos und schöne Frauen versprochen, wenn er nach Syrien reise, sagt er in der Aufnahme.

Dann ergreift der Verteidiger von Ayoub B. das Wort und liest die Darstellung seines Mandanten vor. Der 27-Jährige habe Kokain- und Alkoholprobleme gehabt. Als er in Wolfsburg einen Jihadisten kennenlernte, habe er zum Islam gefunden. Wie sein Kollege Ebrahim H. B. traf auch er sich mit dem «falschen Prediger». Dieser gab ihm das Gefühl, respektiert zu werden: «Ich war plötzlich nicht mehr der Underdog, sondern ein angesehener Mann», so Ayoub B. laut «Spiegel».

«Wir waren alle nur Kanonenfutter»

Als Begründung für seine Syrienreise im Mai 2014 gab Ayoub B. an, vor Ort den Islam studieren und Kriegsopfern helfen zu wollen. Doch die IS-Leute hätten ihn vor die Wahl gestellt: entweder Selbstmordattentäter oder Kämpfer werden. Um zu überleben, habe er sich für die zweite Option entschieden: «Ich war total schockiert.»

Ayoub B. kaufte sich darauf einen Sprengstoffgürtel, um sich damit «selbst in die Luft zu sprengen», falls ihn die IS-Kämpfer foltern oder töten wollten. Zu den Plänen, welche die Islamisten mit ihm hatten, sagte er: «Wir waren alle nur Kanonenfutter.» Als IS-Krankenwagenfahrer fuhr er darauf in den Irak. Von dort aus gelang ihm laut eigenen Aussagen im August 2014 die Flucht über die Türkei zurück nach Deutschland. Diesen Januar nahm ihn die Polizei fest.

«Ich will mit dem IS nichts zu tun haben, ich bin weder Jihadist noch Salafist. Am liebsten hätte ich einfach die Zeit vergessen gemacht», sagte Ayoub B. laut seinem Verteidiger. Ebenso sieht es Ebrahim H. B. In der Videoaufnahme bereute er die Syrienreise «von ganzem Herzen» und bezeichnete sie als «dümmsten Fehler meines Lebens».

(L'essentiel/kmo)

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