Sarkozy vor dem Showdown – «Ich werde ihn zerfetzen»

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Sarkozy vor dem Showdown«Ich werde ihn zerfetzen»

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy braucht im TV-Duell einen klaren Sieg gegen François Hollande. Er will entsprechend aggressiv zur Sache gehen.

Laurence Ferrari (2. von links) wird das Duell gemeinsam mit David Pujadas moderieren.

Laurence Ferrari (2. von links) wird das Duell gemeinsam mit David Pujadas moderieren.

AFP

Mit bangem Blick wird das Lager von Nicolas Sarkozy an diesem Donnerstag auf die neuesten Umfragezahlen schauen. Hat das große TV-Duell am Vorabend den lange erhofften Stimmungsumschwung gebracht? Gibt es noch Hoffnung, den bisher favorisierten Herausforderer François Hollande zu schlagen? Das sind drei Tage vor der entscheidenden Stichwahl die großen Fragen.

Sarkozy wird es dann wohl schon im Gefühl haben. «Das letzte Duell» - oder noch dramatischer: «Zwei Stunden und dreißig Minuten, die den Unterschied ausmachen» - titelten die französischen Zeitungen vor der großen TV-Debatte. Jeder wusste, dass es dabei vor allem für den Amtsinhaber um die Frage nach dem «Alles oder nichts» ging. In den Umfragen lag Sarkozy bis zum zweieinhalbstündigen Streitgespräch klar hinter dem Sozialisten. Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen Wankelmütige und Unentschlossene galt es zu überzeugen. Bereits in der ersten Wahlrunde hatte Hollande mit rund 519 000 Stimmen Vorsprung vorn gelegenen.

Sarkozy, der bessere Debattierer?

Das war allerdings vor dem ersten und einzigen TV-Duell im Kampf ums Präsidentenamt. Das direkte Aufeinandertreffen der beiden Kandidaten gilt in Frankreich als Ritual und eindeutiger Höhepunkt des Wahlkampfes. Millionen Menschen versammeln sich dazu alle fünf Jahre vor dem Fernseher und diskutieren anschließend darüber, wie sich die Kandidaten geschlagen haben.

Sarkozy gilt als der bessere Debattierer, er liebt den verbalen Nahkampf. «Mit Ungeduld» erwarte er deshalb die Konfrontation mit Hollande, schreibt die Zeitung «Le Figaro», die dem Präsidenten politisch nahe steht. «Ich werde ihn zerfetzen», soll Sarkozy gegenüber seinen Vertrauten unablässig betonen.

Hollandes Devise:«Nur keinen Fehler machen»

Hollande, der jahrelang mit Royal zusammenlebte und mit ihr vier Kinder hat, will dieses Schicksal um jeden Preis vermeiden. Zwar übte er nicht für das TV-Duell mit einem Sparring-Partner, nach Angaben aus seinem Umfeld bereitete er sich aber inhaltlich akribisch auf die Debatte mit dem als TV-Profi geltenden Sarkozy vor. «Nur keinen Fehler machen», lautete angesichts des deutlichen Umfragevorsprungs die Devise. Ein Unentschieden im Duell würde für einen Wahlsieg am Sonntag reichen, meinten im Vorfeld die Berater.

Ein Satz kann über den Sieg entscheiden

Welche Folgen ein paar Worte haben können, wurde den Kandidaten am Mittwoch noch einmal ausführlich vor Augen gehalten. Alle großen TV-Sender und Zeitungen erinnerten an die legendären Zweikämpfe zwischen Hollandes großem Vorbild, dem Sozialisten François Mitterrand, und dessen konservativen Gegenspieler Valéry Giscard d'Estaing. 1974 sagte Giscard zu Mitterrand in Anspielung auf dessen unnahbare Art: «Sie haben nicht das Monopol der Herzen.» Giscard entschied die Wahl für sich, selbst Mitterrand soll den Satz seines Kontrahenten später als entscheidend bezeichnet haben. Die Revanche gab es 1981. Damals behielt der anschließend siegreiche Mitterrand das letzte Wort mit dem denkwürdigen Satz: «Sie sind der Mann der Passivität.»

Für Sarkozy stand bei dem TV-Duell vor allem ein neuer Ritt auf Messers Schneide an: Will er die Wahl am Sonntag noch gewinnen, muss er diejenigen Wähler auf seine Seite bringen, die in der ersten Runde für die Rechtspopulistin Marine Le Pen gestimmt haben. Sätze wie «In Frankreich gibt es zu viele Ausländer» kommen allerdings bei der bürgerlichen Mitte nicht besonders gut an.

(L'essentiel Online mit dpa)

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