Erfahrungsbericht aus Luxemburg: «Ich werde nicht mehr als die behinderte Frau gesehen, sondern als die mit dem Hund»

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Erfahrungsbericht aus Luxemburg«Ich werde nicht mehr als die behinderte Frau gesehen, sondern als die mit dem Hund»

DIFFERDINGEN – Gana ist kein Hund wie jeder andere, sondern der Assistenzhund von Andrée, die im Rollstuhl sitzt. Die Fellnase bietet ihr eine enorme Unterstützung im Alltag.

von
Marine Meunier

Bei Andrée Biltgen, der Vorsitzenden des Vereins RAHNA, kommt uns Gana hoppelnd entgegen, die sich ersichtlich über die Gesellschaft freut. Der bereits 13-jährige schokoladenbraune Labrador, führt uns in Andrées Küche, die uns aufgrund ihrer Behinderung im Rollstuhl folgt.

Andrée hat den Vierbeiner im Jahr 2013 adoptiert und seitdem ist Gana ein echter Alltagbegleiter geworden. «Er bringt mir alles, was auf den Boden fällt, er kann mir die Tür öffnen und mir sogar helfen, meine Hose und meine Socken auszuziehen», erklärt uns Andrée. «Bei Bedarf kann er auch auf Kommando bellen, um so zum Beispiel nach Hilfe zu rufen». Gana ist ein Assistenzhund für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. In Luxemburg gibt es laut Andrée «ein Dutzend» Menschen, die solch eine Hundehilfe in Anspruch nehmen.

Psychologische Unterstützung

Das Ganze ist das Werk der ASBL Rahna. «Wir arbeiten mit zwei Hundeschulen zusammen, Handi'chiens in der Normandie und Os'mose in Lüttich in Belgien», erklärt Andrée. «Von ihnen bekommt der luxemburgische Verein Hunde, die für die Assistenz von Menschen in Schwierigkeiten ausgebildet sind». Assistenzhunde seien nämlich nicht nur für Menschen mit körperlichen Behinderungen gedacht. «Es gibt spezielle Hunde für Diabetiker und Epileptiker, Wachhunde für Menschen mit geistigen Problemen oder für Kinder und spezialisierte Gefährten für psychologische Unterstützung», fügt Ganas Frauchen hinzu.

Heute könnte Andrée nicht mehr ohne ihr Schoßhündchen auskommen. Neben der technischen Unterstützung ist der Rüde für die ehemalige Stubenhockerin ein wahrer Lebensbegleiter. «Dank ihm gehe ich mindestens einmal am Tag raus. Früher bin ich nur zur Arbeit und am Wochenende habe ich mich eingeschlossen». Ihr haariger Begleiter hat ihr sogar dabei geholfen, sich mit der Nachbarschaft anzufreunden. «Mit ihr ist die Kontaktaufnahme viel einfacher», gibt Andrée zu. Es sei leichter geworden, ins Gespräch zu kommen. «Früher traute man sich wegen meiner Behinderung nicht so recht, mich anzusprechen und zu fragen, was mir passiert ist. Mit Gana bin ich nicht mehr die ‹behinderte Frau›, sondern eher die ‹Frau mit dem Hund›», scherzt sie.

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