«Sextortion» in Luxemburg – «Ich wollte sehen, wie weit wir gehen können»
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«Sextortion» in Luxemburg«Ich wollte sehen, wie weit wir gehen können»

LUXEMBURG – Die Betrügereien mit Online-Sex nehmen im Großherzogtum seit Monaten zu. Ein Luxemburger drehte nun den Spieß um.

Der Mann nahm Screenshots von seinem Gesprächspartner und konnte auch die IP-Adresse der Betrüger identifizieren. Wenn nötig würde er seine Geschichte auch der Polizei erzählen.

Der Mann nahm Screenshots von seinem Gesprächspartner und konnte auch die IP-Adresse der Betrüger identifizieren. Wenn nötig würde er seine Geschichte auch der Polizei erzählen.

Tom* lebt im Großherzogtum und sein Beruf erfordert es, stets online zu sein. Vor zwei Monaten kontaktierte ihn eine unbekannte Frau über Skype. Er akzeptierte die Einladung – ahnte aber bereits, dass es sich um eine Falle handeln könnte. «Aus Neugier» und weil er von ähnlichen Maschen und Sex-Erpressern im Internet bereits gehört hatte, stimmt er einem Videogespräch mit der Frau zu. «Ich wusste, dass ich stark genug bin, um nein zu sagen», sagt der Mann zu L’essentiel. «Und ich wollte sehen, wie weit wir gehen können.»

Tom beobachtet besonnen, was auf dem Bildschirm vor sich geht. «Ein junges Mädchen, sehr hübsch, in ihren Zwanzigern.» Was ihn überrascht: Wie intelligent seine Gesprächspartnerin ist. Das Gespräch verläuft durchdacht und in angenehmer Atmosphäre. Die Dame gibt sich als Studentin in Belgien aus und überlässt ihm die Wahl, ob sie auf Englisch oder Französisch miteinander sprechen sollen. Doch dann fällt die Maske. «Ich habe sie plötzlich nur mehr gesehen, ihre Stimme aber nicht mehr gehört. Ich sprach, aber sie schrieb», erzählt Tom. Das Gespräch dreht sich dann nur noch um ein Thema: Sex.

«Betrug war perfekt dirigiert»

«Ich habe ihr klar gesagt, dass ich wüsste, dass es sich um einen Betrug handelt», sagt der Luxemburger. «Sie öffnete trotzdem ihre Bluse und fing an, sich weiter auszuziehen. Sie ging sehr weit…». Als sie bemerkt, dass die Falle nicht zuschnappt, wird die junge Frau ärgerlich. «Es entstand ein Streit. Sie wollte mir dann weismachen, dass sie Bilder von mir aufgenommen hatte und dass ich dafür zahlen müsste.» Danach spricht sie online Freunde von Tom an, auch seine Tochter. «Sie hatte vermutlich während des Gesprächs auf meinem Facebook-Profil über mich recherchiert. Das ist wirklich gefährlich.»

Tom legt danach auf. Ihm schien es nachher, als wäre das Mädchen nicht allein gewesen. «Ich sah wie sie ihre Augen bewegte und auch ihre Hände, wie sie weiter auf der Tastatur schrieb.» Der Luxemburger war erstaunt darüber, wie perfekt dirigiert der Betrug und die Vorbereitung auf die Erpressung ablief. Eine Woche später schickte ihm übrigens dasselbe Gesicht eine neue Einladung auf Skype – allerdings unter anderem Namen.

«Ich verstehe, dass Leute betrogen werden können. Es werden nicht nur Idioten reingelegt. Manche zahlen, um sich Striptease-Videos anzusehen», sagt Tom, der Screenshots gemacht hat und seine Geschichte wenn nötig auch der Police Grand-Ducale erzählen würde. Über ein spezielles Computerprogramm konnte er auch die IP-Adresse der Betrüger, die aus Kanada stammt, herausfinden. Jährlich gehen mehr als 200 Anzeigen wegen Online-Sexbetrugs («Sextortion») bei der Polizei ein. «Technisch kann man leider nicht viel machen. Das einzige Mittel ist es, darüber zu sprechen und die Leute zu warnen.»

*Name von der Redaktion geändert

(Nicolas Chauty/L'essentiel)

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