Transgender in Luxemburg – «Ich wurde im falschen Körper geboren»

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Transgender in Luxemburg«Ich wurde im falschen Körper geboren»

LUXEMBURG – Von Ridgley zu Bridget: Ein junger Luxemburger hat sein Geschlecht geändert. Auf «L'essentiel Online» erzählt sie ihre Geschichte.

Schlanke Beine, langes goldenes Haar, perfektes Make-Up und ein hautenger Minirock. Wer Bridget durch die Straßen Luxemburgs flanieren sieht, kann sich schwer vorstellen, dass die 25-Jährige vor ein paar Monaten noch ein Mann war. Damals hieß sie Ridgley. Aber das ist eine alte Geschichte. Denn vor vier Monaten ließ sie sich umoperieren – und auch ihre persönlichen Daten offiziell von «männlich» auf «weiblich» umschreiben. Die junge Frau konnte nicht es nicht erwarten. Viel zu lange hatte sie für ihr neues Leben gekämpft.

«Schon in der Spillschoul, wenn die Lehrer Jungen und Mädchen getrennt haben, habe ich mich nicht wohl gefühlt», sagt sie. Aber lange Zeit hatte sie Angst, darüber zu reden. «Ich fürchtete mich davor, abnormal zu sein», sagt sie. Nach langen Jahren der Depression, des Unglücks und der Suchtprobleme entschied sie sich «sie» zu entwickeln. Mit der Hilfe eines Therapeutens erkannte sie, dass sie im falschen Körper geboren war – und das sie das Ernst zu nehmen hatte.

Jeden Tag eine Rolle spielen

«Wir Transgender stehen jeden Morgen auf, um eine Rolle zu spielen, die nicht die unsrige ist», sagt Bridget. «Ich habe versucht, ein heterosexueller Junge zu sein. Aber es hat nicht funktioniert. Dann habe ich versucht, einen homosexuellen Jungen zu spielen. Aber das ging auch nicht. Jetzt bin ich eine Frau. Und das ist das Skript, das für mich geschrieben wurde.» Aber der Weg dorthin war nicht einfach. Ridgley hatte eine Beziehung zu einer Frau, gemeinsam haben sie eine Tochter.

Seit Februar hat Bridget ihr Liebesleben zurückgestellt, konzentriert sich stattdessen auf den Übergang zu ihrem anderen Ich. Dazu gehört eine Hormonbehandlung, eine neue Identität. Ihre Gesichtszüge werden zarter, die Haut weicher, die Brüste entwickeln sich. «Für meinen Bart gibt es eine Laserbehandlung, für eine weibliche Stimme trainiere ich, zum Beispiel mit Gesang», erzählt die Portugiesin, die in Luxemburg geboren ist.

Volle Unterstützung der Familie

Die junge Frau kann auf jeden Fall auf die volle Unterstützung ihrer Familie zählen. «Meine Eltern haben mir viel geholfen und sie begleiten mich zu allen meinen Arztterminen», sagt sie. Sie halfen Bridget auch, die Nachricht von ihrer Transformierung dem Rest der Familie zu überbringen. Auch die Schwester und die Ex-Freundin haben die Nachricht gut aufgenommen. Aber mit ihrer kleinen Tochter war es wohl am einfachsten.

«Ich rede mit ihr über alles. Ich sagte ihr, dass ich im falschen Körper war und Medikamente nehme, um eine Frau zu werden.» Es sei einfach gewesen, da Kinder keine Vorurteile hätten. «Sie weiß, dass sie zwei Mamas hat. Und als ich sie in der Schule besucht habe, rief sie: Meine Papa ist da. Sie ist genial.»

Noch immer gibt es Hürden

Doch so zuversichtlich Bridget auch ist – noch immer gibt es Dinge, die ihr Leben nicht einfach machen. Noch immer wagt sie es nicht, sich in einem Badeanzug zu zeigen. Oder zu verreisen, weil sie dann ihren Pass zeigen könnte, der «nicht zu ihr passt». Derzeit ist sie arbeitslos, aus Angst vor den Urteilen der potentiellen Arbeitgeber. Auch vor ihrem Liebesleben fürchtet sie sich noch etwas. «Ich muss zugeben, dass ich in den sozialen Netzwerken viele Anfragen von Männern bekomme. Und ich verstecke nicht, wer ich bin. Aber ich suche nach der großen Liebe.»

Das ist Bridget, die unsere Redaktion kontaktiert hat, um ihre Geschichte auch anderen zu erzählen. Mit dieser Nachricht richtete sie sich an alle, die wie sie, im falschen Körper geboren wurden:

(Fatima Rougi/L'essentiel)

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