Astrid Muñoz – «Ich wurde Model aus Liebe zu Saint Laurent»

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Astrid Muñoz«Ich wurde Model aus Liebe zu Saint Laurent»

Einst war sie ein gefeiertes Topmodel. Heute steht sie als Fotografin hinter der Kamera. Astrid Muñoz im Gespräch.

Frau Muñoz, vor 20 Jahren starteten Sie eine Model-Karriere in Paris. Weshalb wollten Sie Model werden?

Astrid Muñoz: Ich bewunderte Yves Saint Laurent und Valentino und träumte davon, Model zu werden, um ihre Kleider zu tragen. Als Kind sah ich mir Modezeitschriften an und war fasziniert von den afrikanischen und lateinamerikanischen Models, welche die schönen Kleider von Yves Saint Laurent trugen. Ich ging deshalb davon aus, dass mein Typ in Paris gefragt war.

Sie waren eines der ersten lateinamerikanischen Topmodels. War es schwierig oder einfach für Sie, mit Ihrem exotischen Look in der internationalen Fashionszene Fuß zu fassen?

Es war nicht einfach. Der exotische Look war damals ziemlich neu. Zudem war ich nicht groß. Zum Glück startete damals Kate Moss, die ebenfalls als klein gilt, durch. Das half mir. Viele Designer und Zeitschriften hatten jedoch nicht den Mut, auf den exotischen Look zu setzen. Nur Mario Testino und Carine Roitfeld (Ex-Chefredaktorin von «Vogue Paris», Anm. d. Red.) gaben mir eine Chance. Das war der Beginn meiner Karriere.

In der Zwischenzeit sind Sie Fotografin geworden. Mit Ausnahme von Ellen von Unwerth hat es bislang kein Model geschafft, als internationale Fotografin Karriere zu machen. Sind Sie die nächste Ellen von Unwerth?

Ich habe nicht die Absicht, auf den Spuren anderer Fotografen zu wandeln. Mein Ziel ist es, einen Sinn in meiner Fotografie zu finden und mit ihr Botschaften an die Menschen auszusenden.

Für Ihre Selbstporträts und Reportagen bevorzugen Sie die Schwarzweiß-Fotografie. Weshalb?

Durch die Fotografie habe ich mich geistig entwickelt. Ich fotografierte schwarz-weiss, als ich mich in einer Phase der Traurigkeit befand. Als ich sie überwunden hatte, fand ich plötzlich Gefallen an Farben. Ich fühlte mich frei und wollte das Leben geniessen.

Frida Kahlo sagte einst: «Ich male Selbstporträts, weil ich niemanden besser kenne als mich selbst.» Trifft das auch auf Ihre Selbstporträts zu?

Ja. Ich suche nach einem Bild, das mich so zeigt, wie ich wirklich bin. Als Model sah ich oft Fotos von mir, die mir nicht gefielen und auf denen ich mich nicht wiedererkannte.

Für die neue Werbekampagne von Esprit wurden Sie sowohl als Fotografin als auch als Model verpflichtet. Sie fotografierten sich per Selbstauslöser. Weshalb?

Jan Nord, Creative Director von Esprit, schlug mir die Selbstporträts vor. Er wollte mich zunächst als Model buchen. Er wusste nicht, dass ich auch Fotografin bin. Als er sich meine Website ansah, entdeckte er die Selbstporträts und war begeistert. Der Auftrag war ein Geschenk des Himmels. Es war schon immer mein Wunsch, ein großes und wichtiges Projekt mit dem Selbstauslöser zu verwirklichen.

Das Shooting fand in Schottland auf der mystischen Isle of Skye, auch Insel des Nebels genannt, statt. Sind auch Sie dem Zauber der Insel verfallen?

Die Insel ist sehr schön, da sie weit entfernt von der Zivilisation ist. Die Natur besitzt eine unglaubliche Energie, die wir auch in unserem Innern wiederfinden. In der Stadt führen wir ein hektisches Leben, haben oft Stress und keine Energie. Sobald wir uns jedoch in der Natur aufhalten, in einem Tempel oder in einer Kirche, finden wir diese Energie wieder.

Beim Betrachten Ihrer Fotos für Esprit hat man den Eindruck, Sie seien ein Teil der Natur.

Das war mein Ziel. Ich habe in der Natur mein inneres Gleichgewicht gefunden. Ich wollte auf meinen Fotos die Symbiose zwischen mir und der Natur zum Ausdruck bringen.

Auf welche Schwierigkeiten sind Sie beim Outdoor-Shooting auf der Insel gestoßen?
Für ein Mode-Shooting herrschten die schlechtesten Bedingungen, die man sich nur vorstellen kann. Es war kalt, es regnete und es wehte ein starker Wind. Während des ersten halben Tages bin ich fast durchgedreht. Dann sagte ich mir: «Ich bin wegen der Natur hier. Ich muss die Stärke der Natur in meinen Fotos umsetzen.»

Die Kampagne trägt den Titel «Travel in Style - Travel in Dreams». Welches sind Ihre Träume?

Ich hatte bislang sehr viel Glück in meinem Leben. Ich möchte einen Teil davon anderen Menschen weitergeben - durch meine Fotografie. Zudem möchte ich mich für die Natur einsetzen und die Menschen für diese kostbare Ressource sensibilisieren.

(L'essentiel Online/Y. Di Mambro, Paris)

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