Reaktionen nach Rücktritt: «Ihre eigene Partei hat Liz Truss den Wölfen zum Fraß vorgeworfen»

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Reaktionen nach Rücktritt«Ihre eigene Partei hat Liz Truss den Wölfen zum Fraß vorgeworfen»

Das Chaos in der britischen Regierung schien zuletzt immer größer zu werden. Nun wirft Liz Truss das Handtuch. Auf Social Media ist die Freude groß.

von
Karin Leuthold

Nach nur sechs Wochen im Amt hat die britische Premierministerin Liz Truss am Donnerstag ihren Rücktritt angekündigt.

Die britische Premierministerin Liz Truss hat am Donnerstag ihren Rücktritt angekündigt. Sie könne den Auftrag, für den sie gewählt worden sei, nicht erfüllen und habe ihre Entscheidung König Charles III. mitgeteilt, sagte Truss an einer Pressekonferenz. Sie bleibe im Amt, bis ein Nachfolger feststehe.

Einige Sektoren der britischen Gesellschaft feiern den Abgang der Regierungschefin. Die Organisation «Enough is Enough», die gegen die Lebenskostenkrise kämpft, schreibt auf Twitter, mit Truss’ Rücktritt seien die Probleme der Briten noch lange nicht gelöst. «Die Sparmaßnahmen müssen verschwinden. Die Armutslöhne müssen weg. Die Warteschlangen vor der Essensausgabe müssen verschwinden. Kalte Wohnungen im Winter müssen verschwinden. Ein neuer Anzug in der Downing Street bedeutet nichts für unser Volk.» Die Organisation fordert, dass die Personen, «die die Gesellschaft zerstört haben, sie wieder in Ordnung bringen. Oder gehen Sie sonst aus dem Weg.»

«Wir werden weiterhin von Krise zu Krise taumeln»

Der frühere Labour-Chef Jeremy Corbyn ist ähnlicher Ansicht. Auf Twitter schreibt er: «Das Debakel der kurzlebigen Premierministerin Liz Truss ist ein Symptom für ein kaputtes Wirtschaftssystem und eine zerstörte Demokratie. Wir werden weiterhin von Krise zu Krise taumeln – und die einfachen Menschen werden den Preis dafür zahlen.»

Der britische Parlamentsabgeordnete Prem Nath Sikka kritisiert unter anderem, dass Liz Truss nach ihrer nur 44 Tage langen Funktion als Premierministerin «für den Rest ihres Lebens eine jährliche Entschädigung von 115.000 Pfund erhalten» werde. Sikka fordert neue Parlamentswahlen.

Der renommierte Journalist und Moderator Piers Morgan betont auf Twitter, dass Truss mit dem Rücktritt als Premierminister mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte des Königreichs eingeht. «Was für ein absoluter Scherbenhaufen», schreibt Morgan.

Ryanair macht sich über Truss lustig

Monty-Python-Mitglied John Cleese sieht den Grund für die Aufregung nicht. Ihre eigene Partei – die konservative Tory-Fraktion – habe Truss «den Wölfen zum Fraß vorgeworfen», meint Cleese. Das sei allerdings «das Beste, was sie für uns getan haben».

Mit etwas Humor hingegen nimmt es die Billig-Airline Ryanair: In einem Tweet wird ein Boarding Pass mit dem Reiseziel «Irgendwohin» gezeigt. Der Name der Passagierin: Liz Truss. Der Tweet wird mit einem Emoji einer winkenden Hand begleitet.

Truss gegen Eisbergsalat – Salatkopf hat länger durchgehalten

Das Krawallblatt «Daily Star» hat einen Salatkopf zu einer Karikatur der schwankenden Machtposition der konservativen Regierungschefin gemacht. Am Donnerstag hat Liz Truss gegen den Salat verloren.

In ihrer Ausgabe vom vergangenen Freitag stellte die Redaktion angesichts der enorm unter Druck geratenen Regierungschefin die Frage: «Kann Liz Truss länger halten als dieser Salat?» Zeitgleich startete der «Daily Star» auf Youtube eine Live-Übertragung, in der ein Foto der Premierministerin neben einem Salatkopf mit aufgeklebten Augen zu sehen war. Das Magazin «Economist» hatte Truss zuvor unterstellt, die Haltbarkeitsdauer eines Salats zu haben.

Am Donnerstag war in der Live-Übertragung ein noch relativ frisch aussehender Salat neben zwei Union-Jack-Fahnen und einer Flasche Sekt zu sehen – Truss hingegen nicht mehr. «Der Salat wird um 18 Uhr eine Rede an die Nation halten», war unter der Übertragung zu lesen.

Wirre Antwort des deutschen Umweltministeriums

Kurz nach Bekanntgabe des Rücktritts Truss’ reagierte das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz auf die Nachricht, die die BBC verbreitet hatte. Dabei wurde ein Song der US-Rapgruppe Public Enemy gepostet. Der Titel des Songs: «Can’t Truss It» (übersetzt «man kann ihr nicht trauen») – in einer Anspielung auf den Nachnamen der zurückgetretenen Premierministerin.  

Kurz danach erschien auf dem Twitter-Kanal der deutschen Behörde eine Richtigstellung: «Die Antwort auf den BBC-Tweet zum Rücktritt von Liz Truss war keine offizielle Kommunikation des BMWK. Wir prüfen derzeit den Sachverhalt.»

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