Gesetz umgangen – Illegal abtreiben gegen Cash auf die Hand
Publiziert

Gesetz umgangenIllegal abtreiben gegen Cash auf die Hand

LUXEMBURG - Während die Parlamentarier derzeit über eine Lockerung des Abtreibungsgesetzes diskutieren, nehmen Ärzte hierzulande verbotenerweise die Eingriffe vor.

Nicht jede Frau freut sich beim Blick auf den positiven Schwangerschaftstest. Abtreiben sei in Luxemburg «ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Danielle Igniti, Präsidentin des Planning Familial.

Nicht jede Frau freut sich beim Blick auf den positiven Schwangerschaftstest. Abtreiben sei in Luxemburg «ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Danielle Igniti, Präsidentin des Planning Familial.

Schwangere Frauen können in Luxemburg bis zur zwölften Woche abtreiben (siehe Infobos). Wer die Operation nach dieser Frist durchführen lassen will, muss inoffizielle Wege wählen, und die existieren auch im Großherzogtum. «Luxemburgische Ärzte praktizieren diese Abtreibungen und werden im Gegenzug unter der Hand bezahlt», sagt Danielle Igniti, Präsidentin des Planning Familial. Dieser illegale Weg sei ein Ergebnis des rigiden Gesetzes von 1978. «Hierzulange abzutreiben ist ein Wettlauf gegen die Zeit.»

Frauen, die nicht die finanziellen Mittel zur heimlichen Abtreibung haben, greifen manchmal auf gefährlichere Methoden zurück. «Es sind schon häufiger Patientinnen mit einem Medikament zu mir gekommen, das sie im Internet gefunden hatten und das der Abtreibung dienen sollte», erzählt Danielle Igniti. Ein Beispiel ist Cytotec. Diese Pillen werden eingenommen, um eine Fehlgeburt einzuleiten. Für Frauen, die schlecht aufgeklärt sind und nicht von einem Arzt betreut werden, ist die Einnahme riskant.

Danielle Igniti sieht außerdem mit Sorge, dass manche Schwangere im Ausland abtreiben. «Es ist manchmal schwierig, eine Operation zeitgerecht durchführen zu lassen. Daher gehen manche unserer Patientinnen ins nahe Ausland, zum Beispiel nach Thionville oder Rochefort», erklärt Igniti. Wer die zwölf Wochen überschritten hat, wird vom Planning Familial vor allem in die Niederlande verwiesen. Das Land ist räumlich das nächste, das eine Abtreibung auch über die Dreimonatsfrist hinaus erlaubt. «Sobald diese Frauen sich dort behandeln lassen, verlieren wir den Kontakt zu ihnen und unsere Sensibilisierungsarbeit wird extrem schwierig.»

Politische Diskussion

Für den sozialistischen Abgeordneten Alex Bodry, Mitglied der Rechtskommission, die sich am Mittwoch zu Beratungen über die Abtreibungsreform getroffen hat, sollte der Akzent auf die Information und Prävention gelegt werden. So solle verhindert werden, dass sich Frauen in einer Notlage wiederfinden. «Das ist ein Schritt und noch nicht der Endpunkt. Es bleibt noch einiges zu tun», bestätigt der Bürgermeister von Düdelingen. «Das neue Gesetz wird die Möglichkeit einer Abtreibung erleichtern.»

Er nennt als Beispiel die Möglichkeit für Jugendliche, ohne Zustimmung der Eltern abzutreiben. Die soziale Situation der Betroffenen solle mit in Betrag gezogen werden. Doch manchen geht dies nicht weit genug. «Durch das Gesetzesprojekt wird die Abtreibung nicht straffrei und die beiden Beratungstermine bleiben verpflichtend», kritisieren die Grünen in einer Pressemitteilung.

(L'essentiel Online/Nastassia Solovjovas)

463 Schwangerschaftsabbrüche in 2011

Im vergangenen Jahr hat das Planning Familial 463 schwangere Frauen betreut, die in Luxemburg haben abtreiben lassen. 58 wurden ins Ausland verwiesen, unter ihnen 19, die die Dreimonatsfrist überschritten hatten.

Striktes Gesetz

In Luxemburg ist die Abtreibung straffrei, wenn sie in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen stattfindet und zwar unter folgenden Bedingungen:

- Eine Fortführung der Schwangerschaft gefährdet die körperliche oder psychische Gesundheit der Mutter

- das Kind ist schwer krank

- die Schwangerschaft ist das Ergebnis einer Vergewaltigung.

In diesen Fällen übernimmt die CNS die Kosten. Die Frau, die außerhalb dieser Bedingungen abtreibt, riskiert laut Gesetz eine Strafe zwischen 251 und 2000 Euro, außer sie hat in einer Notsituation gehandelt. Auch der Arzt muss mit einer Geld- oder gar Haftstrafe rechnen.

Deine Meinung