Neuer Kabinentrainer – In dieser Hightech-Anlage übt Luxair für den Extremfall

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Neuer KabinentrainerIn dieser Hightech-Anlage übt Luxair für den Extremfall

LUXEMBURG - Nahe des Flughafens Findel proben Luxair-Mitarbeiter seit März regelmäßig für den Ernstfall während eines Flugs. Ein Besuch im neuen Notfallsimulator.

In der 55-jährigen Firmengeschichte von Luxair sind Unglücke bisher nur äußerst selten vorgekommen. Doch auch die heimische Fluggesellschaft ist nicht komplett vor Tragödien gefeit: Die Bilder vom Absturz einer Fokker 50 bei Niederanven im Jahr 2002 und der Bauchlandung am Flughafen Saarbrücken vor bald zwei Jahren sind vielen noch in bleibender Erinnerung. Um das Flugpersonal besser auf kritische Situationen an Bord vorzubereiten, verfügt die Luxair seit Kurzem über ein neues Trainingszentrum.

Der neue Notfallsimulator, der von außen wie eine in der Mitte durchgetrennte Boeing aussieht, kostete 900.000 Euro und ging im März in der Cargolux Training Academy in Findel in Betrieb. Tatsächlich stecken sogar zwei Flugzeuge in der zehn Tonnen schweren und 14 Meter langen Hightech-Anlage: Der deutsche Hersteller TFC-Käufer baute den Simulator aus zwei echten, ausgemusterten Boeings vom Typ 737-600 Next Generation zusammen. Danach wurde der Kasten noch mit der notwendigen Schulungstechnik ausgerüstet.

Crew muss Feuerprobe bestehen

Der «Cabin Emergency Evacuation Trainer», so die richtige Bezeichnung im Fliegerenglisch, kann fast alles – nur fliegen nicht. Das Interieur sieht genau gleich aus wie in den Boeing-737-Maschinen, die bei Luxair tagtäglich im Einsatz sind. Die Trainingskurse finden so unter möglichst realitätsnahen Bedingungen statt.

Die Ausbilder schicken die Schulungsteilnehmer durch eine sprichwörtliche Feuerprobe: Der Simulator kann zum Beispiel künstlichen Rauch erzeugen, um einen Brand an Bord nachzustellen. Die Crew muss aber auch auf heikle Situationen wie die Evakuierung nach einer Notlandung oder das Beruhigen eines aggressiven Fluggastes vorbereitet sein. Viel Zeit zum Überlegen gibt es nicht: Bei einer Notlandung müssen alle Passagiere innerhalb von nur 90 Sekunden raus. «Faster! Faster! Go! Go! Go!», rufen die Flugbegleiter bei einem Testlauf und schieben die Passagiere Richtung Notausgang. Danach geht es rasch hinunter über die aufgeblasene Notrutsche (siehe Video).

Im Anschluss an die Testvorführung im Simulator waren sich alle Teilnehmer einig: So einen Horror-Flug wird man hoffentlich niemals erleben. Umso wichtiger ist es, dass man sich im Fall der Fälle auf eine gut geschulte Crew verlassen kann. «Je besser die Besatzung ausgebildet ist, desto höher stehen die Chancen, dass Passagiere einen Notfall im Flieger überleben», erklärt ein Sicherheitstrainer von Luxair.

Piloten und Flugbegleiter mussten bislang zum Teil in andere Länder fahren, um die vorgeschriebenen Kurse zu absolvieren. Diese Tingelei ist nun nicht mehr notwendig. Luxair will den Simulator bei entsprechendem Interesse auch zur Miete anbieten.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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