Wunder in Chicago? – In einer US-Kirche «weint» eine Ikone

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Wunder in Chicago?In einer US-Kirche «weint» eine Ikone

In Chicago sondert ein Heiligenbild eine Flüssigkeit ab – für viele Gläubige ein Wunder.

Sind es Tränen? Ist es ein Wunder? Unzählige Gläubige einer griechisch-orthodoxen Kirche in Chicago sind davon überzeugt, dass die flüssigen Absonderungen, die aus einem Bild von Johannes dem Täufer austreten, einen göttlichen Ursprung haben.

Laut dem Online-Magazin «Inqusitr» fließt aus dem Heiligenschein, den Händen und dem Bart der Figur seit Monaten ein «fein riechendes Öl». Pfarrer Sotirios Dimitriou hat bereits 5000 Wattebäuschchen mit der Flüssigkeit an Gläubige verteilt. Einige von ihnen attestieren dem Öl einen heilenden Effekt.

Spontanheilungen

So will ein Mitglied der Gemeinde ein paar Tropfen davon nach Hause mitgenommen haben, nachdem Ärzte bei ihm eine Arterienverstopfung diagnostiziert hatten. Bei einer erneuten Untersuchung sei sein Problem verschwunden gewesen, erzählt der Pfarrer. Er selber habe einen schmerzenden Nerv mit Hilfe des Wunderöls kuriert, sagt er.

Während Pfarrer Dimitriou im weinenden Johannes «einen Segen Gottes» sieht, zeigt sich Bischof Demetrios etwas vorsichtiger: «Es ist egal, ob dies nun ein Wunder ist oder nicht. Wichtig ist, dass die Leute ihren Glauben zurückgewinnen.»

Woher die «Tränen» kommen

Weinende Statuen oder blutende Bilder sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Zu den bekanntesten Fällen gehört die weinende Figur von Padre Pio in Italien: 2003 pilgerten Hunderte von Menschen in das kalabrische Dorf Brancaleone, nachdem ein Junge gesehen haben wollte, dass aus den Augen der Bronzefigur Blut hervortrat. Ein weiterer Fall erschütterte Ende 2005 das Leben im Dorf Medjugorje in Bosnien-Herzegowina, als eine Skulptur des auferstandenen Christus «Tränen» absonderte.

Die Phänomene seien inzwischen so verbreitet, dass sie nicht nur christliche Statuen und Ikonen in der westlichen Welt beträfen, sondern auch im hinduistischen und buddhistischen Raum aufträten, meldet das Portal «diewunderseite.de».

Doch für die scheinbaren Wunder gibt es eine Erklärung, schreibt der deutsche Journalist Bernd Hader im «Telepolis». In den meisten Fällen entpuppten sich vermeintliche Tränen und Schweißabsonderungen als Kondenswasser oder auch als Wasser, das zum Beispiel durch ein defektes Dach eingedrungen war.

Der Mann, der alle Wunder entlarvte

Der italienische Chemiker Luigi Garlaschelli von der Universität Pavia hatte sogar eine weinende Statue im Labor gebaut, um zu demonstrieren, wie leicht solche «übernatürlichen» Phänomene nachgestellt werden können. Garlaschelli nahm dafür eine hohle Statue aus porösem Material wie Gips oder Keramik. Die glasierte Figur füllte er dann mit einer Flüssigkeit. Gleichzeitig machte er ein winziges Loch am inneren Lidwinkel.

Das poröse Material saugte die Flüssigkeit zunächst auf. Weil diese aber durch die undurchlässige Glasur-Beschichtung nicht wieder austreten konnte, flossen tränenartige Tropfen aus den Augen der Skupltur.

(L'essentiel/kle)

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