Chipmangel – In Europa brechen die Neuwagen-Verkäufe ein

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ChipmangelIn Europa brechen die Neuwagen-Verkäufe ein

Der Absatz von Autos ist im September zusammengebrochen und auf das Niveau von 1995 gefallen. Gründe dafür seien der Halbleitermangel und Probleme in der Lieferkette.

Der Halbleitermangel hat die Autohersteller in Europa brutal ausgebremst. Im September fiel der Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23,1 Prozent, wie der Herstellerverband Acea am Freitag mitteilte. Auch der Verkauf der beliebten Elektroautos leidet, weil die Hersteller nicht genügend Fahrzeuge anbieten können.

Laut Acea fiel der Absatz im September auf 718.598 Autos und damit auf das Niveau von 1995. Die erhoffte rasche Erholung nach der Corona-Krise fällt wegen des Chipmangels aus. Die Autoindustrie verbaut die Halbleiter in vielen Teilen, etwa in Motorsteuerungen, Bremssystemen, Einparkhilfen oder Airbags.

Besserung erst 2022?

Eine kurzfristige und durchgreifende Besserung sei derzeit nicht zu erwarten, erklärte Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY. Materialengpässe und Lieferketten würden die Branche noch bis weit ins Jahr 2022 beschäftigen. «Erst zur Jahresmitte rechnen wir mit einer spürbaren Entspannung der Situation.» Dies haben – für die Gesamtwirtschaft – auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute prognostiziert.

Laut EY stieg der Absatz von E-Autos im September in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im Vergleich zum Vorjahr zwar um 60 Prozent an. Im August war die Zahl aber um 67 Prozent und im ersten Halbjahr um 147 Prozent nach oben gegangen. Bei Plug-in-Hybriden betrug die Steigerung im September in den fünf Märkten nur noch 28 Prozent, wie EY mitteilte. Im August hatte die Wachstumsrate noch bei 52 Prozent gelegen, im ersten Halbjahr bei 174 Prozent.

Elektroautos im Aufwind

Die «stärkere Absatzdynamik» bei Elektroautos wird sich laut Fuß fortsetzen. Plug-in-Hybride seien bloß eine Brückentechnologie und die Entwicklerinnen und Entwickler würden auf reine Elektroautos setzen.

Der Dieselantrieb verliert in der Tat rapide an Bedeutung. Der Anteil von Dieselautos lag im September noch bei 15,2 Prozent aller Neuwagen. Laut EY ließen Deutschland und Österreich im September erstmals mehr E-Autos als Dieselfahrzeuge zu. In Großbritannien war dies bereits im Juni der Fall.

Der September-Rückgang kommt nach einem soliden ersten Halbjahr, indem sich Europas Autoindustrie erholte. Das hatte laut Creditreform mit der Unterstützung durch staatliche Programme und Subventionen zu tun. Die Zahl der Neuzulassungen in der EU und im Vereinigten Königreich sei in den ersten sechs Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um über 25 Prozent auf 6,2 Millionen Einheiten angestiegen. Im gleichen Zeitraum sanken die Marktanteile von Benzin und Diesel auf 42 Prozent und 22 Prozent.

(L'essentiel/AFP/mur)

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