Reaktionen – «In jedem anderen Land wären längst Köpfe gerollt»

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Reaktionen«In jedem anderen Land wären längst Köpfe gerollt»

LUXEMBURG – Das gescheiterte Misstrauensvotum gegen Minister Frieden und die Regierung beschäftigt die Luxemburger. In den Reaktionen kommt die LSAP nicht gut weg.

Das gescheiterte Misstrauensvotum im Parlament beschäftigt nicht nur die Politik. Viele Menschen auf der Straße stellen sich Fragen oder sind gar wütend. «Es war eine Farce, ich habe mir die ganze Sitzung angeschaut und am Ende blieb doch alles so, wie es war. Die Politiker sollten konsequenter sein. Die Verantwortlichen sollten Stellung beziehen, Minister Frieden sollte gehen», meint eine Luxemburgerin im Gespräch mit «L‘essentiel Online».

Unverständnis und Wut teilen auch die Leser von «L‘essentiel Online» in ihren Kommentaren. Julius Caesar nennt die Abstimmung eine «Farce»: «Das Luxemburger Volk wird hier wieder mal vera***t, wie so oft in letzter Zeit. In jedem anderen Land wären schon längst Köpfe gerollt.» «Diese Farce ist die beste Inspirationsquelle für Theaterstücke», gibt ihm Patchwork Recht.

«Sozialisten haben gekuscht»

Viele User sind enttäuscht von der Entscheidung der LSAP, die Regierung zu retten und die Misstrauensvoten nicht zu unterstützen: «In einer normalen Demokratie wäre die Regierung am Ende. Aber wieder haben die Sozialisten vor der CSV gekuscht», erklärt Audiard. Majo meint: «Ob das wirklich die Meinung des Volks ist, das diese Vertreter gewählt hat, sei mal dahingestellt.»

Mit «Rest in Peace LSAP» betitelt RIP gar seinen Kommentar: «Die LSAP, vermeintliche sozialistische Partei, ist eine hohle Struktur, die nur dazu da ist, die CSV, Partei der Beamten und Rentner und Verfechter des Bankgeheimnisses zu stützen. Wären sie wirklich Sozialisten, würden sie sich für alle einsetzen, die weniger Geld haben.»

Kommt die Antwort bei den Wahlen?

Andere fürchten um den Ruf Luxemburgs: «Es ist eine Blamage für unser Land. Die Politiker sollen doch endlich mit diesem Quatsch aufhören und sich um wichtigere Dinge kümmern, etwa, das Land aus der Krise zu führen, anstatt unser Geld zu verplempern.» Für andere ist der Ruf Luxemburgs bereits ruiniert. Zu ihnen zählt Pierre: «Juncker und Frieden sagen, dass sie die Verantwortung tragen, aber schuld sind sie nie irgendetwas. Herzlich Willkommen in Luxemburg, erste Bananenrepublik der Welt.»

Sigefroid ist derselben Meinung: «Bananenrepublik, mehr ist dazu nicht zu sagen! Ich gehe davon aus, dass sich viele in der Wahlkabine, am einzigen Tag der Demokratie, daran erinnern werden.» Raymond befürchtet, dass die Wähler keine Konsequenzen ziehen: «Jedes Land hat die Regierung, die es verdient. Und ich bin mir sicher, dass sich die Dummheiten an der Urne, die uns diesen Karneval der Tiere beschert haben, im kommenden Jahr bei den Parlamentswahlen wiederholen werden.»

Dass die Abläufe aus dem Parlament tatsächlich einen Einfluss auf die Wahlen im kommenden Jahr haben könnten, bezweifelt Jason: «Ich mache mir keine Illusionen.»

Verwirrt oder völlig abgehängt

Wer sich auf der Straße umhört, trifft auch viele, die sich lieber gar nicht erst mit dem Thema beschäftigen oder die sich von der Politik völlig abgehängt fühlen: «Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Aber diese ganze Geschichte ist so verworren, man kennt ja nicht mal die näheren Umstände», meint ein französischer Grenzgänger.

«Es ist schon krass, was im Parlament vor sich ging. Schlimm, dass es so weit kommen musste. Ich persönlich kann mir da keine Meinung zusammenreimen, ich würde mir nur wünschen, dass die Politik mit offenen Karten spielen würde um solch einen Eklat in Zukunft zu verhindern», so eine Studentin. Ein anderer junger Luxemburger war «überrascht» vom Tumult im Parlament: «Ich hätte nie gedacht, dass die Vertrauensfrage gestellt werden würde… Die Regierung müsste mehr und besser zusammenarbeiten, dann kommt so etwas auch nicht mehr vor.»

Ganz allein auf weiter Flur steht mit seiner Reaktion ein Sekundarschüler: «Ich bin zufrieden mit der Regierung», meint er im Gespräch. «Bis jetzt ist doch alles gut.»

(sb/mw/L'essentiel Online)

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