Art Week – In Luxemburg geht ein Hype um

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Art WeekIn Luxemburg geht ein Hype um

LUXEMBURG – Schrill, irritierend, wunderschön. Die Luxembourg Art Week zeigt, was in der zeitgenössischen Kunst – und im Land – gerade passiert.

Zeitgenössische Kunst hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Das gilt für Werke und auch für eine Veranstaltung wie die Luxembourg Art Week. Die fünfte Ausgabe zeigt: Luxemburg wächst, es wird internationaler und es hungert nach Kultur. Bei der ersten Art Week waren 19 Galerien dabei, jetzt sind es 69.

Wachstum, das weiß die Gesellschaft inzwischen, ist nicht immer gut. Wachstum verstopft die Straßen. Wachstum macht den Wohnraum knapp. Doch während der Kirchberg – als Symbol des Luxemburger Wachstums – in die Höhe wächst, wächst die kulturelle Szene eher in die entgegengesetzte Richtung. Sie gibt dem gesellschaftlichen Leben Wurzeln, zeigt, was gerade in ihr brodelt.

Gründer Alex Reling wollte genau das: «ein Ökosystem» für Kunst schaffen. Eine Halle zeigt etablierte Künstler, die andere Newcomer. Hier ist die Standmiete niedriger und erlaubt Galeristen, Risiken einzugehen. In beiden bekommen viele Künstler aus Luxemburg die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu zeigen. Für die Pariser Galeristin Anne Barrault ist das Konzept gelungen: «Es geht bei dieser Messe nicht ums Geld, sondern um die Kunst.»

Am Stand aus Kolumbien werden gesellschaftskritische Bilder gezeigt: realistische Zeichnungen «der Unsichtbaren», wie der Galerist die Menschen auf den Straßen Südamerikas nennt. Die Galerie Adrián Ibáñez will im nächsten Jahr wiederkommen, obwohl der Verkauft schleppend läuft: «In Kolumbien kaufen die Leute spontan – leidenschaftlich. Das Publikum in Luxemburg braucht mehr Zeit, um sich zu entscheiden».

Am Stand der Luxemburger Valerius Art Gallery kann man das nicht bezeugen. Bereits beim Pre-Opening wurden alle Bilder des Dänen Martin Paaskesen verkauft – noch bevor die Art Week überhaupt regulär eröffnet hatte.

Er wird geradezu gehyped. Genauso wie der Luxemburger Eric Mangen. Als der Tour-Guide an seinen Bildern vorbeikommt, sagt er: «Diesen Namen sollten Sie sich merken.» Sie sind die Jungen Wilden. Ihre Kunst ist: großformatig, bunt, verspielt. Ihre Bilder sind im wahrsten Sinne des Wortes zeitgenössisch. Sie verkaufen sich so schnell, dass die Werke, die hier hängen, noch ganz frisch sind. Und so sind sie tatsächlich ein Spiegel, eine Momentaufnahme der Gesellschaft, die genau das nachfragt: Ausdruck, Farbe, Bewegung, Verspieltheit. Alles, was der Finanzsektor nicht hat.

(Marlene Brey/L'essentiel)

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