Inflation: In Luxemburg wird alles teurer außer Tabak

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InflationIn Luxemburg wird alles teurer außer Tabak

LUXEMBURG – Während die Inflation zum wichtigsten politischen Thema im Großherzogtum geworden ist, entzieht sich Tabak einer höheren Besteuerung. Eine Entscheidung der Regierung, die schwer zu rechtfertigen ist.

von
Thomas Holzer
Tabakwaren bringen dem Großherzogtum viel Geld ein.

Tabakwaren bringen dem Großherzogtum viel Geld ein.

Die jährliche Inflationsrate liegt bei sieben Prozent, auf frisches Obst und Gemüse zahlt man 12,5 Prozent mehr Steuern, bei der Post sind es sogar 22 Prozent. Alles wird teurer, auch in Luxemburg. Nur der Tabak nicht, der im Gegensatz zu den Nachbarländern im Großen und Ganzen bezahlbar bleibt.

Die befragten Tankstellen berichten zwar, der Preis für eine Packung Marlboro sei vor zwei Wochen um 20 Cent auf mittlerweile circa 5,50 Euro gestiegen, jedoch seien nicht alle Marken betroffen. Eine Preiserhöhung, die immer noch sehr angemessen und im Kontext der Inflation der Rohstoffpreise nur auf den Produzentenanteil zurückzuführen ist.

Schwierige Situation für das Gesundheitsministerium

In Bezug auf die Besteuerung bleibt im Wesentlichen alles beim Alten: «Auf Tabakwaren wird ab dem ersten Januar 2023 derselbe Steuersatz beibehalten», erklärt das Finanzministerium auf Anfrage von L'essentiel. Man erhöhe jedoch die Verbrauchssteuer, als Ausgleich für die Senkung der Mehrwertsteuer. Ein sinkender Tabakpreis, der im Rahmen der Tripartite zum Erhalt der Kaufkraft beschlossenen Maßnahmen, hätte keinen guten Eindruck hinterlassen.

Das Finanzministerium

Das Finanzministerium

Vincent Lescaut

In einem Land mit höherem Lebensstandard, wie etwa Luxemburg, stellt ein Preis von circa 5,50 Euro für eine Packung Zigaretten jedenfalls eine Ausnahme dar – zumindest dann, wenn in Deutschland und in Belgien die Preise jeweils bei fast acht Euro und in Frankreich bald bei elf Euro liegen. Auf dieses Thema angesprochen, legte das Gesundheitsministerium einen Balanceakt hin, indem es auf «die Zuständigkeit des Finanzministeriums» verwies und gleichzeitig Empfehlungen zur öffentlichen Gesundheit abgab.

«Die WHO schätzt, dass eine Preissteigerung um zehn Prozent den Konsum in den Ländern mit höherem Einkommen um etwa vier Prozent zurückgehen lässt». Sämtliche Entscheidungen in Bezug auf den Tabakpreis auf dem luxemburgischen Markt müssen daher im Rahmen intensiver Beratungen erfolgen, so das Ministerium.

«Eine konsequente Erhöhung ist erforderlich»

Fondation Cancer

Luxemburg hat sich offensichtlich für ein Modell entschieden, das durch die hohen Verbrauchssteuereinnahmen in diesem Bereich geprägt ist: 752 Millionen Euro Steuern im vergangenen Jahr, vor allem dank der Käufe der Grenzpendler und Touristen an der Zapfsäule. Das wiederum verärgert die Akteure des Gesundheitswesens. So beklagt die Krebsstiftung «viel zu niedrige Preise in Luxemburg» und das Angebot an die Tabakindustrie, die ein Interesse daran habe, dass die Preise nicht steigen.

Die Stiftung tritt für eine «konsequente» Erhöhung der Zigarettenpreise ein, gefolgt von sukzessiven, jährlichen Anhebungen. Dies sei zunächst eine Frage des politischen Willens: «Es ist erwiesen, dass die Steuern das effektivste Mittel sind, um den Konsum zu reduzieren. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Tabakpreise stärker ansteigen als die Einkommen», erklärt sie.

Wie lässt sich gegen den Tabakkonsum vorgehen?

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