Ein Jahr Pandemie – In Wuhan ist «das Leben heute wieder wie früher»

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Ein Jahr PandemieIn Wuhan ist «das Leben heute wieder wie früher»

Am 23. Januar 2020 wurde Wuhan von den Behörden abgeriegelt, elf Millionen Menschen durften über zwei Monate lang ihre Häuser nicht verlassen. Heute ist alles anders.

Die chinesische Millionenmetropole Wuhan hat am Samstag den ersten Jahrestag ihrer Abriegelung wegen des Coronavirus begangen. Ein Vergleich zu Januar 2020.

Dezember 2019

In der zentralchinesischen Stadt wird das Coronavirus erstmals bei Menschen festgestellt. Innerhalb weniger Wochen breitet es sich massiv in Wuhan aus. Es gehen erste Gerüchte um, die Krankheit stehe in Verbindung mit dem Verzehr von Fledermaussuppe.

30. Dezember 2019

Der 34-jährige Augenarzt Li Wenliang erhält ein Schreiben eines Arztes aus dem Notfalldienst des Wuhan Central-Krankenhaus. Dort wird von einer mysteriösen Lungenkrankheit gewarnt. Dr. Wenliang erkennt die Gefährlichkeit der Lage und teilt das Schreiben auf der chinesischen sozialen Plattform WeChat.

3. Januar 2020

Die Polizei nimmt Li Wenliang fest.

8. Januar 2020

Li Wenliang wird freigelassen unter der Bedingung, nicht über die Ausbreitung der Krankheit zu sprechen. Er kehrt zur Arbeit zurück, einige Tage später infiziert er sich selbst bei einer Patientin.

23. Januar 2020

Die Stadt Wuhan wird von den Behörden abgeriegelt. Elf Millionen Menschen dürfen 76 Tage lang ihre Häuser nicht mehr verlassen.

Letzte Januar-Woche 2020

Die Maßnahme wird auf die gesamte Provinz Hubei ausgedehnt, in der Wuhan liegt.

1. Februar 2020

Li Wenliang wird positiv auf das Coronavirus getestet. Weil er Atemnot hat, wird er ins Krankenhaus eingeliefert. Sein Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Er postet ein Selfie aus dem Krankenhausbett, das ihn mit Sauerstoffmaske zeigt. Das Bild verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

7. Februar 2020

Li Wenliang stirbt. Von China aus verbreitet sich das Virus in die ganze Welt.

23. Januar 2021

Nichts mehr erinnert in Wuhan an die Geisterstadt vor einem Jahr. Öffentliche Verkehrsmittel, Parks und Bars sind wieder voller Menschen. «Vergangenes Jahr hatte ich Angst, aber die Dinge haben sich sehr verbessert, seit die Epidemie unter Kontrolle gebracht wurde», sagte Wang, der ohne Maske am Jangtse-Fluss entlang joggte. «Das Leben ist wieder wie früher.»

Viele Chinesen betrachten die weitreichenden Maßnahmen der Regierung und die Kooperation der Bevölkerung nicht ohne Stolz. «Wir sehen an den Ergebnissen, dass die Politik der Regierung richtig war», sagte Huang Genben, ein 76-Jähriger aus Wuhan, der selbst 67 Tage lang im Krankenhaus mit Covid-19 zu kämpfen hatte. «Es schmerzt mich, die Pandemie in der ganzen Welt zu sehen.»

Doch angesichts neuer Infektionsherde im ganzen Land wächst auch in China die Sorge, das Virus könnte sich erneut ausbreiten.

Waren es doch Fledermäuse?

Derzeit hält sich ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Wuhan auf, um die Ursprünge des Coronavirus zu erforschen.

Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte der Coronaviren waren. Ungeklärt ist aber, welches Tier bei der Übertragung auf den Menschen als sogenannter Zwischenwirt diente. Unter anderem dazu wollen die WHO-Experten Nachforschungen anstellen.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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