Flugzeugträger: Indien tritt exklusivstem Klub der Welt bei

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FlugzeugträgerIndien tritt exklusivstem Klub der Welt bei

Indien hat seinen ersten selbstgebauten Flugzeugträger eingeweiht. Mit der «INS Vikrant» tritt die Großmacht dem Kreis der Nationen bei, welche die Giganten der Meere bauen können.

Ihre strategische Bedeutung ist umstritten, doch militärische Atomtechnologie verleiht einer Nation beträchtliches Prestige. Der «Nuclear Club» ist denn auch sehr exklusiv. Neun Länder besitzen Atomwaffen, sechs können atombetriebene U-Boote bauen. Noch mondäner ist einzig die Kategorie Flugzeugträger: Bisher waren die USA, Russland, Grossbritannien und Frankreich in der Lage, solche zu entwerfen und zu bauen. Mit der Einweihung der «INS Vikrant» gehört nun auch Indien zum illustren Kreis.

Der indische Verteidigungsminister A.K. Antony sprach am Montag bei einer Einweihungsfeier in der südindischen Hafenstadt Kochi von einem «bemerkenswerten Meilenstein». Der Minister wies vor dem riesigen grauen Rumpf der «INS Vikrant» aber auch darauf hin, dass die Einweihung «nur ein erster Schritt auf einer langen Reise» sei. Tatsächlich muss das Schiff noch mit Waffen- und Maschinentechnik ausgerüstet werden, bevor es über vier Jahre getestet wird. Erst 2018 soll es in Dienst gestellt werden.

Verzögerungen wegen russischem Spezialstahl

Indien überholt damit seinen Rivalen China, der bisher nur einen umgerüsteten Flugzeugträger sowjetischer Bauart aus der Ukraine hat. Weitere 39 Kriegsschiffe sind derzeit im Bau, darunter auch zwei weitere Flugzeugträger. Analysten sehen den Bau des Flugzeugträgers als wichtigen Schritt im Rüstungswettstreit mit China. Allerdings hat sich der Bau der «INS Vikrant» um zwei Jahre verzögert, was laut «Russia Today» auf Lieferengpässe eines russischen Spezialstahls zurückgeht.

Auch stammt nur ein Teil des Schiffs aus Indien. Zwar ist der Rumpf des 40'000-Tonnen-Schiffs im wesentlichen in Indien gefertigt, doch die Maschinentechnik und vor allem die Waffensysteme stammen zum Grossteil aus dem Ausland. Ausgerüstet werden soll das Schiff mit russischen MiG-Flugzeugen.

«Das offene Wasser erobern»

Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte die indische Marine den Slogan ausgegeben: «Das offene Wasser erobern», also weitreichende und hochseetaugliche Technik entwickeln. Das wurde auch bei den Finanzen sichtbar: Anfang der 1990er Jahre lagen die Mittel für die Marine bei rund zwölf Prozent des Verteidigungsbudgets, in den vergangenen Jahren erreichten sie 18 Prozent, wie das Institut für Verteidigungsstudien und -analysen berichtet. Das heißt in offiziellen Zahlen: umgerechnet rund 4,1 Milliarden Euro im aktuellen Jahresbudget.

Quantitativ liege der Fokus Indiens zwar nach wie vor auf den Landstreitmächten, sagt der Verteidigungsanalyst Uday Bhaskar von der Gesellschaft für Politikstudien in Neu Delhi. «Aber qualitativ ist die Marine sehr bedeutend.» Als starke Macht im Indischen Ozean könne Indien mit seinen Fregatten, Zerstörern und Korvetten die Handelsrouten um den Subkontinent sichern sowie bei Naturkatastrophen wie einem Tsunami helfen. «Die indische Marine hat in dem Bereich an Relevanz gewonnen und spielt regional eine herausragende Rolle», meint Bhaskar.

Der nun zu Wasser gelassene Flugzeugträger «Vikrant» - das Sanskrit-Wort für mutig - soll 2018 seinen Betrieb aufnehmen. Ein weiterer ist in Planung. «Indien plant zukünftig mit drei Trägern: einen im Osten, einen im Westen und einen in den Docks», sagt Ex-Generalmajor Ramesh Chopra. Damit steige das Land in die Riege der sechs globalen Seemächte auf - auch wenn die Interessen Indiens immer regional blieben, betont er.

Kräftemessen mit China

Andere Analysten sehen allerdings am Horizont einen Kampf mit China um die Vormachtstellung auf dem Wasser heraufziehen. Die andere grosse asiatische Macht hat mit der «Liaoning» ebenfalls einen Flugzeugträger. Es ist ein modernisiertes sowjetisches Modell, das vorerst nur zu Trainingszwecken dient, doch baut China nach offiziell unbestätigten Berichten an seinem ersten eigenen Flugzeugträger.

Raja Mohan von der Observer Research Foundation (ORF) sagte jüngst bei der Vorstellung seines Buches zur Rivalität im Indopazifik in Neu Delhi: «Erstmals blicken die beiden Staaten Indien und China, jeder mit einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen, Richtung Meer.» Dies sei eine gewaltige Verschiebung mit globalen Folgen.

Auch die USA mischen in der Region mit

Der frühere Top-Diplomat Shyam Saran betonte am gleichen Abend, sowohl China als auch Indien hätten ein gemeinsames Interesse daran, die Seewege offenzuhalten. Allerdings wies er auch darauf hin, dass es in der Region bislang keine Sicherheitsarchitektur gebe, so wie es für ökonomische Kooperation etwa die südostasiatische Staatengemeinschaft ASEAN gibt.

So versuchen beide Riesen, ihren Einfluss zu erhöhen. China hilft finanziell beim Bau von Häfen in Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka und Burma, wohingegen Indien in Mauritius, den Malediven, Seychellen und Madagaskar präsent ist.

Die maritimen Spuren der beiden Mächte kreuzten sich nun immer häufiger, meint Analyst Mohan. Und mit den USA gebe es einen dritten Akteur in der Region, der sich als Partner der grössten Demokratie der Welt verstehe.

(L'essentiel Online/kri/sda)

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