Rio 2016 – Internationale Presse zum Olympia-Abschluss

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Rio 2016Internationale Presse zum Olympia-Abschluss

Nach Abschluss der Olympischen Spiele in Rio zieht die internationale Presse eine durchwachsene Bilanz. Das Fazit: Eine Mischung aus Glanz und Skandalen.

Die brasilianische Olympiamannschaft bei der Abschlussfeier im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro.

Die brasilianische Olympiamannschaft bei der Abschlussfeier im Maracana-Stadion in Rio de Janeiro.

DPA/Felix Kästle

Brasilien:

Portal O Globo: «Die Olympischen Spiele von Rio hinterlassen ein Gefühl der Sehnsucht. Im Regen des Maracanã hat das Land seine Seele gereinigt und das Ende sowie den Beginn einer neuen Zeit gefeiert. Es waren 17 unvergessliche Tage der ersten Ausgabe der Spiele in Südamerika und diese endeten so, wie es der Brasilianer mag und kann: Mit Party, Gefühl, Freude und viel Samba.»

Sportzeitung Lance!: «Das Gefühl, die Aufgabe erfüllt zu haben, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass unser Markenzeichen bleibt. (...) Die Herausforderung liegt nun bei Japan.»

Großbritannien:

Daily Mail: «Rio verabschiedet sich mit einem Knall und einem Platsch»

The Sun online: «Die Olympischen Spiele sind mit einer riesigen, vom Regen durchnässten Party im Maracana Stadion zu Ende gegangen. (...) Zwar war das berühmte Stadion halb leer, aber trotzdem war es ein großartiger Abschied.»

Frankreich:

Le Monde online: «An diesem Abend herrschte ein wenig "saudade" (Sehnsucht) im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro. (...) Rio hat sich während zwei Wochen in eine "wundervolle Stadt" verwandelt, die aus den Spielen trotz der Zweifel einen Erfolg machte. (...) Und danach? Das Erwachen könnte hart werden. Wenn die Magie der Spiele vorbei ist, wird die Brutalität der Realität sich aufdrängen.»

Le Figaro online: «Der Pflichtenkatalog wurde erfüllt. Die verzauberte Auszeit wird brutal enden. Das Leben, erschwert von politischen Qualen, wirtschaftliche Ängste und soziale Unruhen, nimmt in seiner ganzen gewalttätigen Wirklichkeit wieder seinen Lauf.»

La Croix: «Die Spiele haben es nicht wirklich erlaubt, das Bild dieses großen Schwellenlandes zu verbessern. Es konnte seine Schwierigkeiten nicht verstecken, alle Infrastrukturen rechtzeitig fertigzustellen, gegen die Verschmutzung zu kämpfen und die arme Bevölkerung der Favelas einzubinden. (...) Wir hätten gern Spiele, die die Idee einer solidarischeren Welt mit nachhaltigem Lebensstil fördern. Und einen verschärften Kampf gegen das Doping.»

Spanien:

AS online: «Farbe und Samba, um die Organisationsprobleme zu vertuschen. Die Spiele sind am Ende allerdings ohne schlimme Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Angesichts des im Vorfeld gezeichneten tragischen Panoramas war es besser als erwartet. (...) Es bleibt abzuwarten, welches Erbe die Spiele der Stadt hinterlassen. Das sportliche (Erbe) wird nicht groß sein, denn mit 19 Medaillen holte das Land nur zwei mehr als in London und belegte im Medaillenspiegel Platz 13.»

El País: «Rio hat die olympische Flamme ausgemacht, die mindestens zwei Wochen lang die Träume der Stadt genährt hat. Die Flamme wird erst 2020 in Tokio weder entzündet werden, und Rio wird sich bis dahin der riesigen Herausforderung stellen müssen, zur Realität zurückzukehren. Es ist eine Stadt, die nach den Spielen von Arbeitslosigkeit bedroht wird. Das Krankenhaus- und Schulnetz der Stadt ist mangelhaft, der Bundesstaat schreibt rote Zahlen. Und es droht eine schlimme Sicherheitskrise, die gespürt werden wird, wenn die für die Spiele mobilisierten 85 000 Polizisten und Soldaten zum normalen Dienst zurückkehren und die letzten Medienschweinwerfer und das letzte Licht im Maracana ausgehen.»

USA:

New York Times: «Rio ist nach den Spielen verändert, wenn nicht sogar neu geboren. Es gab Probleme, ja, aber, die Kritik beiseite gelassen: Der Hafen ist wiederbelebt, es gibt eine neue U-Bahn-Linie, es gibt viele Projekte, die schon lange auf der Wunschliste der Stadtplaner gestanden hatten. Der triumphal gesetzte Meilenstein für den Aufstieg einer neuen Supermacht, wie es einst geplant worden war, wurde es verständlicherweise nicht.»

Washington Post: «Rios Probleme wurden übermalt, gelöst wurde keines von ihnen. Die Frage, auf die es erst in Monaten oder Jahren eine Antwort geben wird, lautet: Hat die Olympische Bewegung dieser rezessionsgeplagten Stadt mehr genommen als gegeben?»

Russland:

Sport-Express: «Das ist ein Sieg. Trotz allem hat die russische Mannschaft den vierten Platz belegt und bringt 56 Medaillen nach Hause. Das Team kann stolz sein auf seinen Auftritt bei den Spielen in Rio.»

Wedomosti: «Man muss den Champions, Medaillengewinnern und Trainern gratulieren zu dem verdienten Erfolg. Sportliche Erfolge stützen aber auch immer das Renommee des (zuständigen) Ministers. Trotz des offensichtlichen Scheiterns im Doping-Skandal wirkt (Witali) Mutko erneut wie der Retter Russlands und unserer Sportler vor ungerechten Angriffen des Westens. Doch der Konflikt in Doping-Fragen zwischen Russland und den internationalen Sportorganisationen könnte weitergehen. (...)

(L'essentiel/dpa)

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