IAEA: Iran entfernt laut Atomenergiebehörde Dutzende Überwachungskameras

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IAEAIran entfernt laut Atomenergiebehörde Dutzende Überwachungskameras

Gleichzeitig sollen weitere Zentrifugen für die Urananreicherung installiert werden. Für den Fortgang der Verhandlungen über einen neuen Atomdeal verheißt das nichts Gutes.

International Atomic Energy Agency (IAEA) director general Rafael Mariano Grossi speaks during ameeting with  Japan's Economy, Trade and Industry Minister Hagiuda Koichi at the Minitary of Economy, Trade and Industry in Tokyo on May 18, 2022. (Photo by Kazuhiro NOGI / AFP)

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) Rafael Mariano Grossi äußert Kritik an dem Verhalten des Irans.

AFP

Der Iran baut nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde 27 IAEA-Überwachungskameras in Atomanlagen ab. IAEA-Generaldirektor Rafael Mariano Grossi sagte am Donnerstag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Wien, dieser Schritt stelle eine ernsthafte Herausforderung für die Arbeit der Behörde dar. Möglicherweise entstünden schon in drei bis vier Wochen Lücken im Wissen über das iranische Atomprogramm. Die Regierung in Teheran äußerte sich zunächst nicht.

Eine Wissenslücke wäre ein fataler Schlag für die Verhandlungen über eine Neuauflage des internationalen Atomabkommen mit dem Iran, sagte Grossi. «Wenn wir das verlieren, kann man nur noch raten», fügte er hinzu. Bereits am Mittwoch hatte der Iran zwei IAEA-Kameras in seiner Atomanlage in Natans abgeschaltet, in der Uran angereichert wird. Der Iran hatte in dem Zusammenhang mit weiteren Schritten gedroht. Damit sind nach Angaben Grossis derzeit noch gut 40 IAEA-Kameras im Iran aktiv. Zu den Standorten, an denen die Kameras entfernt werden sollen, gehörten die unterirdische Atomanreicherungsanlage in Natans und die Anlage in Isfahan.

A cameraman, films, surveillance equipment, top right, set by inspectors of the International Atomic Energy Agency, (IAEA) at the Uranium Conversion Facility of Iran, just outside the city of Isfahan, 410 kilometers, (255 miles) south of the capital Tehran, Monday, Aug. 8, 2005. IAEA chief Mohamed ElBaradei said work had resumed as Isfahan before the surveillance equipment installed by inspectors had been tested to ensure they were operating properly. Iran resumed uranium conversion activities at a nuclear facility in central Iran on Monday, a step that Europeans and the United States warned would prompt them to seek U.N. sanctions against Tehran.  (KEYSTONE/AP Photo/Mehdi Ghasemi, ISNA)

Hier eine der Kameras, die von der IAEA im «Uranium Conversion Facility of Iran» aufgestellt wurde.

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«Wir befinden uns in einer sehr angespannten Situation, da die Verhandlungen über den Atomdeal auf einem Tiefpunkt angelangt sind», sagte Grossi. «Jetzt kommt das hinzu, und wie Sie sehen können, ist das kein schönes Bild.»

Am Mittwoch hatten die IAEA-Mitglieder Teheran einen Verweis erteilt, weil keine glaubwürdige Erklärung für den Fund von nuklearem Material an drei nicht deklarierten Stätten im Iran eingegangen sei. Schon vor der Abstimmung wurden zwei von der IAEA in Natans installierte Geräte zur Überwachung der Urananreicherung abgeschaltet.

Iran plane Instalation neuer leistungsfähigerer Zentrifugen

Die IAEA teilte am Donnerstag außerdem mit, der Iran plane die Installation von leistungsfähigen Zentrifugen für die schnelle Urananreicherung. Grossi habe die Mitglieder darüber informiert, dass in der unterirdischen Atomanlage in Natans zwei Kaskaden des Zentrifugentyps IR-6 in Betrieb genommen werden sollten, teilte die UN-Behörde mit. Eine Kaskade besteht aus einer Serie verbundener Einzelzentrifugen mit dem Ziel einer schnellen Urananreicherung.

Die geplante Installation von einer IR-6-Kaskade hatte Teheran selbst angekündigt. Am Montag hatte die IAEA mitgeteilt, sie habe diesen Vorgang verifiziert. Die Installation zweier zusätzliche Kaskaden habe noch nicht begonnen. Im Februar hatte der Iran laut IAEA bereits in seiner unterirdischen Atomanlage Fordo einen Satz IR-6-Zentrifugen in Betrieb genommen.

Das 2015 erzielte Atomabkommen hatte die technischen Möglichkeiten Iran zur Urananreicherung limitiert. Die IR-6-Zentrifugen sind zehnmal schneller als die erste Zentrifugengeneration, deren Einsatz damals begrenzt wurde. 2018 zogen sich die USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig aus dem Abkommen zurück. Verhandlungen, das Abkommen zu retten, kommen seit April nicht mehr voran. Experten zufolge hat Iran Uran bereits bis zu 60 Prozent angereichert und ist nur noch einen kleinen technischen Schritt bis zur Anreicherung von atomwaffenfähigen Uran auf 90 Prozent entfernt.

(AP)

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