Nika Shahkarami (17): Iranische Polizei stiehlt Leiche von Anti-Hidschab-Demonstrantin

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Nika Shahkarami (17)Iranische Polizei stiehlt Leiche von Anti-Hidschab-Demonstrantin

Nika Shahkarami verschwand nach einer Demo in Teheran, kurz danach wurde der Familie mitgeteilt, dass die 17-Jährige aus «großer Höhe» gestürzt sei. Nikas Leiche haben die iranischen Behörden gegen den Willen der Familie in einem Dorf begraben.

von
Karin Leuthold
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Nika Shahkarami verschwand am 20. September 2022 nach einer Anti-Hidschab-Demo in Teheran.

Nika Shahkarami verschwand am 20. September 2022 nach einer Anti-Hidschab-Demo in Teheran.

Twitter Atash Shahkarami
Zehn Tage später wurde der Familie die Leiche übergeben. 

Zehn Tage später wurde der Familie die Leiche übergeben. 

Twitter/Atash Shahkarami
Doch dann sollen die Behörden den Leichnam entwendet haben, als die Familie die Verstorbene im Heimatdorf begraben wollte. Das erzählt Nikas Tante (im Bild) gegenüber BBC.

Doch dann sollen die Behörden den Leichnam entwendet haben, als die Familie die Verstorbene im Heimatdorf begraben wollte. Das erzählt Nikas Tante (im Bild) gegenüber BBC.

Instagram/Atash Shahkarami

Die Familie der verstorbenen Demonstrantin Nika Shahkarami macht den iranischen Behörden schwere Vorwürfe: Sicherheitskräfte sollen die Leiche der 17-Jährigen gestohlen und sie heimlich an einem Ort weitab ihres Heimatdorfes begraben haben, behaupten Angehörige gegenüber BBC.

Am 20. September war Nika Shahkarami bei einer Anti-Hidschab-Demo auf dem Keshavarz-Boulevard in Teheran von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Wie «India Postsen» schreibt, soll Nika die Proteste angeführt haben. In ihrer letzten Nachricht an einen Freund schrieb sie, dass sie von Sicherheitskräften gejagt werde, erzählt ihre Tante Atash Shahkarami. Als ihre Nichte am Abend nicht nach Hause zurückkehrte, suchte die Familie in Gefängnissen, Polizeiposten und Spitälern nach ihr.

Nika soll «aus großer Höhe» gestürzt sein

Tagelang galt die Teenagerin als vermisst. Das Handy war am Morgen nach ihrem Verschwinden ausgeschaltet worden. Am 29. September teilte die Polizei der Familie mit, dass in Kahrizak, einer Ortschaft etwa eine Autostunde südlich von Teheran, eine Leiche gefunden worden sei, die mit Nikas Profil übereinstimme. Die Behörden baten die Angehörigen, die Überreste in einer Leichenhalle in einer Haftanstalt in der iranischen Hauptstadt zu identifizieren. 

«Als wir ankamen, durften wir ihren Körper nicht sehen, nur ihr Gesicht für ein paar Sekunden», sagte Atash Shahkarami. «Ihre Nase war zertrümmert und ihr Schädel durch mehrere Schläge mit einem harten Gegenstand gebrochen.» Als Todesursache gaben die Behörden an, dass Nika als Folge eines Sturzes aus großer Höhe gestorben sei. Auf Bildern, die man den Angehörigen gezeigt habe, sei die Leiche auf einer Straße gelegen, wie «BBC Farsi» berichtet. «Mein Bruder meinte aber, dass das Foto arrangiert worden sei. Neben der Leiche lagen ihr Handy und eine Wasserflasche. Später erfuhren wir auch, dass sie ein Handtuch eingepackt hatte, um es als Schutz vor Tränengas zu benutzen», so die Tante. 

Leiche entwendet und woanders begraben

Die Polizei übergab der Familie Nikas Leiche und das Handy. Sämtliche Telegram- und Instagram-Nachrichten waren in der Nacht ihres Verschwindens gelöscht worden.

Die Verwandten brachten den Leichnam nach Khorramabad, der Heimatstadt von Nikas Vaters. Die Familie plante, Nika am vergangenen Sonntag – an ihrem 17. Geburtstag – zu begraben. Unter Zwang der Polizei stimmte die Familie zu, keine Trauerzeremonie abzuhalten. Doch kurz vor der Beerdigung entwendeten Sicherheitskräfte die Leiche und begruben sie in dem rund 40 Kilometer entfernten Dorf Veysian.

Nikas Tante wurde nun ebenfalls festgenommen

Laut BBC wurde Atash Shahkarami, die auf Social Media über Nika gepostet hatte, am Sonntag festgenommen, als Sicherheitskräfte ihr Haus stürmten. Die Beamten sollen die Frau mit dem Tod bedroht haben, sollte jemand aus der Familie an den Protesten teilnehmen.

Die Proteste im Iran waren durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ausgelöst worden. Die junge Kurdin wurde am 13. September in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen, offenbar weil sie das islamische Kopftuch nicht den Regeln entsprechend trug. Amini brach nach ihrer Festnahme unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen und wurde drei Tage später im Spital für tot erklärt.

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