Nach Weihnachten – Irland ist trauriger Corona-Spitzenreiter

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Nach WeihnachtenIrland ist trauriger Corona-Spitzenreiter

In Irland wurden kürzlich 1323 Corona-Infizierte pro Million Einwohner gemeldet. Ein trauriger Rekord. Für Experten sind die lockeren Schutzmaßnahmen in der Weihnachtszeit schuld daran.

Irland hat in der letzten Woche die höchste Infektionsrate weltweit gehabt. Dabei war das Land erst Anfang Dezember aus einem strengen Lockdown rausgekommen, die Lage sah entspannt aus. Wie konnte sich die Situation nun so schnell und so dramatisch verschlechtern?

Den Höhepunkt erreichte Irland am Sonntag, als 1323 Corona-Infizierte pro Million Einwohner gemeldet wurden. «Das alarmierende Ausmaß der Fälle ist in Bezug auf unsere früheren Erfahrungen mit Covid-19 beispiellos», sagt Professor Philip Nolan, Mitglied des irischen National Public Health Emergency Team (NPHET), gegenüber CNN.

Weihnachten (fast) ohne Einschränkungen

Einerseits trage die Saisonalität des Virus zum Anstieg der Fälle bei, erklären Wissenschaftler und Politiker. Zudem sei aber bei vielen Patienten die britische Mutation nachgewiesen worden, die zwischen 50 und 70 Prozent ansteckender sei, meinte ein Sprecher des irischen Regierungschefs Micheál Martin. Tatsächlich seien 40 Prozent der jüngsten Corona-Infektionen auf die britische Variante des Virus zurückzuführen, gab Cillian De Gascun, Leiter des National Virus Reference Laboratory in Dublin, in einer Medienmitteilung vom Montag bekannt.

Für den Regierungssprecher haben die vermehrten sozialen Kontakte in der Weihnachtszeit auch mit dem Ausbruch zu tun. Irland hatte erst am 4. Dezember die Beschränkungen für Gastgewerbe, Bauwesen oder Einzelhandel gelockert. Anders als im Rest Europas, wo beim Weihnachtstreffen nur der engste Familienkreis erlaubt war, durften in Irland Menschen aus drei Haushalten zusammen feiern.

Erster Nachweis an Weihnachten

Nach Angaben des Justizministeriums waren zwischen dem 21. Dezember und dem 3. Januar mehr als 54.000 Menschen nach Irland gereist, um die Festtage mit ihren Liebsten zu verbringen. Am Weihnachtstag wurde erstmals die britische Corona-Mutation bei einem Patienten nachgewiesen. Am 31. Dezember fuhr die irische Regierung schließlich das öffentliche Leben für mindestens einen Monat herunter. Die Beschränkungen ähneln einer Ausgangssperre. Die Menschen dürfen ihre Häuser nur für Arbeit, Ausbildung und andere notwendige Zwecke verlassen.

«Es gab keine ordentliche Isolationspolitik», ärgert sich Gabriel Scally, Direktor der Abteilung Epidemiologie und öffentliche Gesundheit bei der Royal Society of Medicine. Irland und Großbritannien seien zwei schlechte Beispiele, wie man die Corona-Pandemie auf Inseln gehandhabt habe. «Nach einem harten Jahr gab es über Weihnachten einen verständlichen Wunsch nach Normalität; aber das Virus hat dafür kein Verständnis.»

(L'essentiel/Karin Leuthold)

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