Angriff auf Klinik – IS-Kämpfer geben sich als Ärzte aus – 38 Tote

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Angriff auf KlinikIS-Kämpfer geben sich als Ärzte aus – 38 Tote

Angreifer sind in das größte Militärkrankenhaus Afghanistans eingedrungen. Mindestens 30 Menschen kommen bei dem Angriff ums Leben.

Einsatz gegen die Angreifer: Afghanische Polizisten springen von einem Fahrzeug um das Feuer im Diplomatenviertel zu eröffnen. (8. März 2017)

Einsatz gegen die Angreifer: Afghanische Polizisten springen von einem Fahrzeug um das Feuer im Diplomatenviertel zu eröffnen. (8. März 2017)

Mit Handgranaten und Kalaschnikows bewaffnete Extremisten haben rund sechs Stunden lang in einem Militärkrankenhaus in Kabul ein Blutbad mit mindestens 30 Toten angerichtet. Mehr als 70 weitere Menschen wurden bei dem Angriff auf das Krankenhaus Sardar Mohammed Daud Khan heute verletzt, wie ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums mitteilte. Der afghanische Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu der Tat.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte waren einige der Angreifer als medizinisches Personal verkleidet und benutzten ein Ambulanzfahrzeug, um über einen Hintereingang Zugang zum Krankenhaus zu erlangen. Wie die «Washington Post» berichtet, gaben die Kämpfer vor, verletzte Patienten ins Krankenhaus zu bringen.

Das Krankenhaus befindet sich in dem nördlichen Vorort Wasir Achbar Chan, in dem auch eine Reihe von Botschaften sowie zwei weitere Kliniken für Zivilisten beheimatet sind. Es verfügt über 400 Betten.

Die Lage vor Ort war lange Zeit unübersichtlich. Ein Attentäter habe sich selbst in die Luft gesprengt, ein zweiter sei von den afghanischen Sicherheitskräften erschossen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Daulat Wasiri. Im Anschluss hätten sich weitere der Angreifer stundenlange Schusswechsel mit den Sicherheitskräften geliefert. Wasiri sagte, die als Krankenhausmitarbeiter verkleideten Angreifer seien Stockwerk für Stockwerk zurückgedrängt worden.

IS übernimmt Verantwortung

Hubschrauber kreisten über dem Krankenhaus, das von afghanischen Sicherheitskräften umstellt wurde. Ein Mitarbeiter des Krankenhauses, Abdul Kadir, sagte, ein Angreifer in einem weißen Mantel habe auf ihn und seine Kollegen geschossen. Ein weiterer Überlebender, Ghulam Asrat, berichtete davon, dass er durch ein Fenster im vierten Stock geflüchtet sei, nachdem zwei seiner Freunde getötet worden seien.

Der IS übernahm auf seinem Sprachrohr Amak die Verantwortung. Der afghanische Ableger der Miliz hat in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe in dem kriegszerrütteten Land verübt und ist auch mit den mächtigeren und besser aufgestellten Taliban aneinandergeraten, die erst in der vergangenen Woche einen Anschlag in Kabul ausgeführt hatten.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani verurteilte den Angriff. Es habe sich um «eine Attacke auf das gesamte afghanische Volk und alle afghanischen Frauen» gehandelt, sagte er in einer Rede anlässlich des Weltfrauentages.

Taliban nicht involviert

Die islamistischen Talibanrebellen waren nach eigenen Angaben nicht an dem Angriff beteiligt. Während in den vergangenen Jahren vor allem die Taliban für Anschläge in Afghanistan verantwortlich waren, ist in jüngster Zeit zunehmend auch der IS am Hindukusch aktiv. Für Anschläge mit vielen zivilen Opfern übernehmen die Taliban in der Regel nicht die Verantwortung.

Erst vor einer Woche hatten die Taliban fast zeitgleich zwei Selbstmordanschläge auf eine Polizeiwache und ein Geheimdienstgebäude in Kabul verübt. Dabei wurden 16 Menschen getötet und mehr als 40 weitere zum Teil schwer verletzt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Mitteilung der Nachrichtenagentur AFP war von 38 Toten die Rede. Gesicherte Informationen gibt es jedoch nur von 30 Opfern.

(L'essentiel/chk/sep/mch/afp)

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