Retourkutsche? – IS setzt 3000 New Yorker auf eine Todesliste

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Retourkutsche?IS setzt 3000 New Yorker auf eine Todesliste

Als Antwort auf die Cyber-Offensive der USA hat der «Islamische Staat» die persönlichen Daten von tausenden Personen aus New York veröffentlicht.

Die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) weitet den Krieg gegen den Westen auf den Cyberspace aus. Für kurze Zeit haben Hacker der Organisation auf der Kommunikationsplattform Telegram die Namen von 3000 New Yorkerinnen und New Yorkern veröffentlicht, um die Blossgestellten zum Töten freizugeben. Publiziert wurden ihre persönlichen Angaben, berichtet der Fernsehsender NBC.

Trotzig, wie man es von New Yorkern kennt, lassen sich die Betroffenen nicht ohne Weiteres einschüchtern. «Ich brauche mehr Informationen, bevor ich mir erlaube, Angst zu haben», sagt die Schriftstellerin Melissa aus Brooklyn zu einem NBC-Reporterteam. Politisch korrekt fügt sie hinzu: «Mir bereitet die antimuslimische Gesinnung in diesem Land mehr Sorge als das.»

«Psychologische Kriegführung»

Andere Betroffene haben keine schnelle Antwort parat. «Wer bin ich - was suche ich auf dieser Liste?», fragt mit ungläubigem Staunen der 88-jährige Rentner Art. Ihm ist nicht klar, warum der IS ausgerechnet ihn zum Todeskandidaten erhoben hat. «Es klingt wie psychologische Kriegsführung.»

Terrorexperten geben dem Pensionär recht. «Mehr als irgendetwas anderes ist es eine Einschüchterungstaktik», sagt Laith Alkhouri. Es wird für denkbar gehalten, dass die Publikation der Liste eine Antwort auf den verschärften Cyberkrieg der USA gegen den IS darstellen könnte. Wie die «New York Times» letzte Woche berichtete, hat das US Cyber Command einen ausgeklügelten Netzangriff mit sogenannten «Cyber-Bomben» auf die Terrororganisation eröffnet.

Alle fünf Stadtteile

Laut NBC stammen die Namen auf der Liste aus öffentlich zugänglichen Datenbanken wie etwa Websites für ehemalige Studenten von Universitäten. Eine weitere Quelle sollen Personaldateien des US-Außenministeriums und des Landesschutzdepartements sein. Die aufgelisteten New Yorker wohnen in allen fünf Stadtteilen, mit einer besonders hohen Konzentration im nördlichen Brooklyn.

Die New Yorker Polizei und die Bundespolizei FBI haben damit begonnen, mit allen 3000 namentlich Erwähnten Kontakt aufzunehmen. «Das FBI orientiert routinemäßig Individuen und Organisationen über Informationen, die im Rahmen von Ermittlungen gesammelt werden oder die als potenziell bedrohlich gelten müssen», sagte die Sprecherin Carol Cratty. Der Renter Art erzählt, die Beamten hätten ihm geraten, in der Öffentlichkeit vorsichtig zu sein und sofort die Notfallnummer anzurufen, falls er sich bedroht fühle.

Auch Drohnenpiloten

New Yorker geben nicht die einzigen Namen auf Hitlisten ab. Nach einem Bericht des «Clarion Project» in Großbritannien wurde ebenfalls eine Liste von 75 amerikanischen Drohnenpiloten veröffentlicht. In einem Begleitcommuniqué fordert der IS: «Tötet sie, wo immer sie sind, klopft bei ihnen an und köpft sie, schießt ihnen ins Gesicht oder bringt Bomben zur Explosion.»

Laut der Londoner «Sunday Times» wurden die Namen nicht gehackt. Die Personen, ihre Fotos und Heimadressen seien vielmehr in mühseliger Kleinarbeit aus Newsartikeln und militärischen Bulletins zusammengesucht worden, bevor man sie mit öffentlich zugänglichen Datenbanken auf dem Internet abgeglichen habe.

Allen Betroffenen wird angeraten, ihr normales Leben weiterzuführen. Der Rentner Art hat laut NBC genau dies vor. «Ich werde mein Leben nicht ändern, das wird mich nicht hinabziehen», sagt er zu NBC. «Ich werde nicht einmal auf der Straße vorsichtig sein, denn das ist Blödsinn.»

Bericht von NBC News:

(Quelle: NBC News)

(L'essentiel/sut)

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