Syrien – IS sprengt Triumphbogen in Palmyra

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SyrienIS sprengt Triumphbogen in Palmyra

Die Zerstörungswut des IS geht in Syrien weiter: Er macht ein 2000 Jahre altes Unesco-Weltkulturerbe dem Erdboden gleich.

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) setzt die systematische Vernichtung der antiken Stätten im syrischen Palmyra fort. Nach Angaben der syrischen Altertümerverwaltung sprengten die Islamisten am Sonntag den berühmten Triumphbogen der Stadt. Der Direktor der Antikenbehörde Mamun Abdelkarim sprach von einer Katastrophe und warnte, dem antiken Palmyra drohe die vollständige Vernichtung.

Nach Informationen von vor Ort sei der 2000 Jahre alte Triumphbogen bereits vor einigen Wochen vermint und am Sonntag gesprengt worden, sagte Abdelkarim am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Das Bauwerk sei «eine der Ikonen von Palmyra» gewesen, beklagte der Antikenverwalter: «Wir erleben eine Katastrophe. Seit der Einnahme der Stadt folgt ein Schlag dem anderen». Abdelkarim sprach von einer «systematischen Zerstörung» der antiken Stätte: «Sie wollen sie vollständig auslöschen.»

Weitere Denkmäler vermint

Die IS-Miliz hatte die zum Weltkulturerbe gehörende antike Stadt Ende Mai erobert. Zunächst plünderten die Jihadisten mehrere Mausoleen, zerstörten Skulpturen und verminten die größeren Ruinen. Im August enthaupteten sie den früheren Chefarchäologen von Palmyra und zerstückelten seine Leiche. Nur Tage später sprengten sie den weltberühmten Baal-Shamin-Tempel und den Baal-Tempel. Im September zerstörten sie mehrere der weltweit einzigartigen Grabtürme von Palmyra.

Der Antikendirektor Abdelkarim warnte, die IS-Miliz habe noch weitere Kulturdenkmäler in der griechisch-römischen Stadt vermint. Die Islamisten planten auch die Vernichtung des Theaters und der berühmten Säulenallee der Stadt: «Wir fürchten jetzt um die gesamte antike Stadt.» Die internationale Gemeinschaft forderte er auf, Palmyra zu retten.

Verkauf als Geldquelle

Die Jihadisten sehen künstlerische Darstellungen von Menschen oder Tieren als Götzenverehrung an und zerstörten deshalb schon zahlreiche Kulturgüter im Irak und in Syrien. Zudem setzen sie nach Einschätzung von Experten die Zerstörung von Kulturschätzen ein, um Furcht zu verbreiten und neue Rekruten anzulocken. Der Verkauf von archäologischen Kostbarkeiten ist zudem eine Geldquelle zur Finanzierung des von den Islamisten ausgerufenen Kalifats.

Dem seit viereinhalb Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien sind bereits mehr als 240.000 Menschen zum Opfer gefallen, Millionen von Syrern sind auf der Flucht. Doch auch die Schäden für das Kulturerbe des Landes sind immens. Nach Angaben des syrischen Archäologieverbands Apsa wurden bereits mehr als 900 Bauwerke oder archäologische Stätten im Krieg beschädigt oder zerstört. Hinzu kommen systematische Plünderungen und Raubgrabungen.

(L'essentiel/chk/sda)

Zerstörte Kulturdenkmäler

Aus religiösem Fanatismus haben Extremisten bereits mehrfach wertvolle Kulturdenkmäler zerstört. Eine Auswahl:

Palmyra: Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zerstört im syrischen Unesco-Weltkulturerbe Palmyra unter anderem den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Shamin.

Mar Elian: Der IS zerstört in Zentralsyrien das christliche Kloster Mar Elian aus dem 5. Jahrhundert. Im Internet zeigen die Extremisten am 21. August, wie sie mit Planierraupen die Mauern niederreißen.

Ninive: Im Februar 2015 zerstört der IS im Museum der nordirakischen Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Die historische Stadt Nimrud südlich von Mossul sollen die Dschihadisten mit Bulldozern überfahren haben.

Timbuktu: In der Wüstenstadt im Norden Malis zerstören islamistische Ansar-Dine-Rebellen 2012 mehrere Jahrhunderte alte muslimische Mausoleen. Sie begründeten ihre Taten damit, dass die Stätten mit den Überresten islamischer Gelehrter der Heiligenverehrung gedient hätten.

Bamian-Tal: In Afghanistan sprengen die radikalislamischen Taliban 2001 zwei monumentale Buddha-Statuen. Die in den Fels geschlagenen Figuren waren Zeugen der präislamischen Vergangenheit Afghanistans.

Ayodhya: Fanatische Hindus verwandeln 1992 die Babri-Moschee im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in ein Trümmerfeld, um an deren Stelle einen Tempel zu bauen. Angeblich wurde die Moschee 1528 an einem Ort errichtet, wo zuvor ein Hindutempel gestanden hatte. (sda)

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