Wichtige Einnahmequelle – IS versteigert Gefangene über Online-Sklavenmarkt

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Wichtige EinnahmequelleIS versteigert Gefangene über Online-Sklavenmarkt

Millionen verdient der IS mit Sklavenhandel. Seine jesidischen Gefangenen bietet er auch über digitale Plattformen zum Kauf an. Abnehmer sind oft die Familien.

Auf einer Art virtuellem Sklavenmarkt handelt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit gefangenen Frauen und Kindern. Mit den Lösegeld-Forderungen verdienen die Extremisten Millionen, wie Recherchen von NDR und SWR ergaben. Die meisten der zum Verkauf angebotenen Menschen sind Jesiden, Abnehmer vor allem deren Angehörige.

Und so läuft dieser «Rückkauf» ab: Frauen und Kinder werden über eine Online-Plattform an den Meistbietenden verkauft. Üblich ist ein Lösegeld von 15.000 bis 20.000 US-Dollar pro Person. Die Abwicklung des Geschäfts läuft über IS-Verbindungsbüros und Mittelmänner. Auch in der türkischen Industriestadt Gaziantep nahe der syrischen Grenze soll ein solches Büro liegen. Die türkischen Sicherheitsbehörden wüssten laut NDR und SWR nichts davon oder griffen nicht ein.

250 Frauen und Kinder befreit

Reporter von NDR und SWR begleiteten wochenlang den jesidischen Unterhändler Abu M. und waren bei der Befreiung einer Frau und ihrer drei Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren dabei. Der Jeside verhandelt für die Familien der Entführten mit dem IS. Denn das Lösegeld und die Kosten für die Schlepper muss jeweils vorab bezahlt werden.

M. gelang es, sich in das Internet-Forum des IS einzuklinken, in dem Sklavinnen mit Nummern versehen an Kämpfer verkauft werden. Über einen Chat wurde er angewiesen, ins türkische Gaziantep zu fahren. In einem normalen Bürogebäude überreichte der Jeside Mittelmännern die ausgemachten 18.000 US-Dollar für die Frau und die drei Kinder. Die Gefangenen hatten Glück: Der IS nahm das Geld an und ließ sie frei.

Hunderte Frauen noch in IS-Hand

Dass ein «Kauf» so glimpflich abläuft, ist nicht garantiert, sagt M. «Es ist wie ein Glücksspiel.» Einige Erfolge kann er aber verzeichnen: 250 Frauen und Kinder habe er im letzten Jahr aus den Fängen des IS freikaufen können, für die stolze Summe von insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar. Das Geld gäben ihm jesidische Familien, die ihre Ersparnisse ausgeben oder einen Kredit aufnehmen müssten.

Im Sommer letzten Jahres überfiel der IS weite Teile des Nordiraks und entführte Tausende Frauen und Kinder. Viele von ihnen wurden bereits auf Märkten in IS-Städten als Sex-Sklavinnen verkauft. Hunderte jesidische Sklavinnen sollen noch in den Händen des IS sein.

(L'essentiel/cfr)

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