Schockierende Gewalt – Israelischer Soldat schlägt zu
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Schockierende GewaltIsraelischer Soldat schlägt zu

Am Rande einer Kundgebung in der Westbank streckt ein Offizier einen Aktivisten mit dem Gewehrkolben nieder. Dummerweise handelte es sich um einen Ausländer.

Die israelische Armee hat wieder einmal einen Videoskandal. Am vergangenen Samstag trafen sich 250 pro-palästinensische Aktivisten im Westjordanland zu einer Radtour. Plötzlich trafen sie auf eine Gruppe israelischer Soldaten, welche die stille Protestaktion gewaltsam auflösten. Im Gemenge verlor ein Offizier die Nerven und schlug völlig unvermittelt einem Aktivisten den Kolben seines Sturmgewehrs ins Gesicht. Die meisten waren palästinensische Jugendliche, aber der Leidtragende war dänischer Staatsbürger. Und dummerweise wurde das Ganze auch noch aus nächster Nähe gefilmt.

Bereits am Sonntag meldeten sich die höchsten israelischen Stellen zu Wort. Aufgrund der erdrückenden Beweislast ohne die übliche Bitte, die Resultate der Untersuchung abzuwarten: «Dieses Verhalten ist nicht repräsentativ für israelische Soldaten und Offiziere und hat keinen Platz in der israelischen Armee und im Staat Israel», sagte Premierminister Benjamin Netanjahu. Auch Generalstabschef Benny Gantz verurteilte den Vorfall und versprach eine lückenlose Aufklärung. Der Übeltäter, Oberstleutnant Shalom Eisner, ist bis auf weiteres vom Dienst suspendiert.

Israelische Armee: Protest war nicht friedlich

Sein dänisches Opfer, Andreas Ias, wurde am Samstag in einem palästinensischen Krankenhaus behandelt. Später sagte er gegenüber der israelischen Zeitung «Haaretz», dass die aggressive Reaktion der israelischen Armee die Gruppe völlig unerwartet traf. «Wir sagten ihnen, dass wir nur eine Radtour durch das Jordantal machen wollen», sagte er. Doch diese verweigerten ihnen die Weiterfahrt wegen der Nähe zu einer israelischen Siedlung und begannen, auf die Jugendlichen einzuschlagen.

Oberstleutnant Eisner erklärte später seinerseits, der betreffende Aktivist habe ihn zuerst geschlagen und ihm zwei Finger gebrochen. Ias bezeichnet das als «komplette Lüge». Hätte er gewusst, was ihn erwartet, hätte er sich verteidigt. Doch der Schlag sei wie «aus dem Nichts» gekommen.

Falsch reagiert

«Haaretz» kommentierte, dass die Soldaten sich in diesem Vorfall nicht nach Vorschrift verhalten hätten. Armeereservisten im Westjordanland sind angehalten, in solchen Situationen die Polizei zu verständigen. Diese sei besser ausgebildet, um friedliche Demonstrationen ohne den Einsatz von Gewalt aufzulösen. Offenbar hatte Oberstleutnant Eisner es am Samstag aber unterlassen, die Polizei zu verständigen und stattdessen beschlossen, mit seiner Einheit gegen die Demonstranten vorzugehen.

(L'essentiel Online/kri)

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