Religion – Ist die Hochzeit in der Kirche nur ein Brauch?

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ReligionIst die Hochzeit in der Kirche nur ein Brauch?

LUXEMBURG – Auch wenn immer weniger Menschen die Gottesdienste besuchen, wollen doch viele Paare kirchlich heiraten. Alles Heuchelei?

Eine kirchliche Hochzeit gehört heutzutage für viele Paare einfach dazu.

Eine kirchliche Hochzeit gehört heutzutage für viele Paare einfach dazu.

DPA

«Ich finde es vollkommen heuchlerisch, in der Kirche heiraten zu wollen, wenn man nie zur Messe geht», sagt der 26-jährige Max. Laut einer Studie von CEPS-Instead von 2011 besuchen 40 Prozent aller Luxemburger nie den Gottesdienst. Dennoch hat sich im selben Jahr jedes vierte Paar kirchlich trauen lassen. «Wenn ich an Hochzeit denke, kommen mir das weiße Brautkleid und die Kirche in den Sinn. Für mich ist das alles miteinander verbunden», meint die 22-jährige Fanny. Ihr Wunsch, sich vor Gott das Ja-Wort zu geben, ist eher kulturell denn religiös bedingt. «Seit vielen Jahren träume ich davon, den Mittelgang entlang auf meinen künftigen Mann am Altar zuzuschreiten. Das gibt diesem besonderen Tag etwas Märchenhaftes», erzählt sie.

Auch die 26-jährige Émilie teilt diese Meinung: «Es wäre einfach nicht das Gleiche, wenn ich nicht kirchlich heiraten würde.» Doch geben die beiden jungen Frauen auch zu, schon seit Jahren keinen Gottesdienst mehr besucht zu haben. «Eine Hochzeit auf der Gemeinde geht so schnell, ist ohne wirkliche Zeremonie und wenig feierlich. Ein bisschen zu simpel», rechtfertigt sich Émilie.

«Schämen sich diese Leute nicht?»

Max, der auch getauft ist, will aus Prinzip auf eine kirchliche Eheschließung verzichten. «Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn praktizierende Gläubige mit Pfarrer heiraten. Ich verstehe es als Ausdruck ihrer Frommheit. Für alle anderen sollte sich diese Frage nicht stellen. Es zu tun, weil es ein Brauch ist, finde ich fast etwas respektlos. Schämen sich diese Leute nicht, zum Pfarrer zu gehen, wenn sie nie in seinem Gottesdienst auftauchen?»

Thép Péporté, Sprecher des Erzbistums Luxemburg, versucht, die Dinge zu relativisieren: «Paare, die sich kirchlich trauen lassen wollen, haben keine Verpflichtung, jeden Sonntag zur Messe zu gehen.» Interessant ist, dass die Nachfrage nach einer Eheschließung im Gotteshaus in den vergangenen Jahren kaum zurückgegangen ist, wohingegen die Zahl der praktizierenden Gläubigen innerhalb von zehn Jahren von 21 auf 13 Prozent gesunken ist. 2011 haben sich in Luxemburg 400 Paare kirchlich trauen lassen.

(L'essentiel Online/Laurence Bervard)

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