Skandalfilm – Ist dieser Joker zu brutal fürs Kino?

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SkandalfilmIst dieser Joker zu brutal fürs Kino?

Bei den Filmfestspielen von Venedig wurde «Joker» in den Himmel gelobt und ausgezeichnet. Pünktlich zum Kinostart wendet sich das Blatt: Es hagelt Kritik von allen Seiten.

Warum gibt es eigentlich schon wieder einen neuen Joker?

Warner Bros., welche die Rechte an DC Comics halten, starten eine Reihe von Standalone-Filmen ihrer bekanntesten DC-Figuren. Zwar kam der Joker als Gegenspieler Batmans schon in mehreren Filmen vor (zuletzt in «Suicide Squad», dargestellt von Jared Leto), aber nie als Hauptfigur.

«Joker» erzählt, wie aus dem gescheiterten Clown Arthur Fleck der dämonische Gegenspieler von Bruce Wayne aka Batman wurde.

Wie hat der Hype angefangen?

Spätestens als «Joker» im Programm des renommierten Filmfests von Venedig auftauchte, nahm der Hype um den Streifen so richtig Fahrt auf. Das Festival gilt als Startrampe für die Oscar-Saison. Immerhin gewann Heath Ledger vor zehn Jahren einen Academy-Award für seine intensive Darstellung des legendären Bösewichts. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Comic-Verfilmung.

Ist der Film gelungen?

Das ist natürlich subjektiv. Tatsächlich wurde «Joker» aber zum großen Star der Festspiele in Venedig und staubte den wichtigsten Preis, den Goldenen Löwen, für den besten Spielfilm ab. Die Kritiker feierten den Film von Todd Phillips, der als Regisseur der «Hangover»-Reihe bekannt wurde, als Meisterwerk. Nur wenige kritische Stimmen mischten sich unter die Euphorie.

Warum hagelt es jetzt Kritik?

Ohne zu viel zu spoilern: Die Morde, die der Joker verübt, werden ultrabrutal und sehr realistisch dargestellt. Zu viel für einige Kinobesucher in den USA. Zahlreiche Zuschauer mussten den Saal verlassen und taten ihren Unmut auf Twitter kund.

Gewarnt werden insbesondere Menschen mit Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen. Der Film könne, so argumentieren Betroffene, unerwünschte Reaktionen auslösen. Deshalb verlangen manche Zuschauer nach einem Warnhinweis im Vorspann des Films.

In Deutschland ist der Film ab 16 Jahren freigegeben. In den USA erhielt er wegen der Darstellung von «expliziter Gewalt und verstörendem Verhalten» ein R-Rating – das bedeutet, dass Menschen unter 17 Jahren den Film nur in Begleitung Erwachsener sehen dürfen.

Könnte der Film Gewalttäter auf den Plan rufen?

Das ist zumindest die Sorge der amerikanischen Behörden. In einem internen Schreiben der Polizei wird auf eine erhöhte Gefahr von Attentaten bei Screenings von «Joker» gewarnt.

Gewaltbereite Außenseiter könnten sich an Arthur Fleck alias Joker, der sich an der Gesellschaft rächt, ein Beispiel nehmen. 2012 hatte ein Amokläufer in Aurora, Colorado, während einer Vorführung des Batman-Films «The Dark Knight Rises» zwölf Menschen erschossen.

Warum ist auch die Musik problematisch?

Mit der Auswahl des Soundtracks sind die Filmemacher gehörig ins Fettnäpfchen getreten. In einer Schlüsselszene tanzt der Joker eine lange Treppe in der fiktiven Stadt Gotham City hinunter – zu den Klängen von «Rock and Roll Part 2» von Gary Glitter, einem verurteilten Pädophilen.

Der 75-Jährige sitzt derzeit zum dritten Mal wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis. Mit seinem musikalischen Auftritt in «Joker» verdient der Brite bares Geld. Ein Skandal.

Droht der Film nun zu floppen?

Ganz im Gegenteil. In den USA pulverisierte «Joker» mit fast 100 Millionen Dollar Einspielergebnis am Startwochenende gleich mal den Rekord für einen Oktober-Release.

«Joker» läuft ab dem 10. Oktober in den deutschen Kinos – hier ist der Trailer zum Film. (Video: Warner Bros. Pictures)

(L'essentiel/cat)

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