Rotterdamer Bürgermeister – «Ist es ein gutes Gefühl, seine Stadt zu zerstören?»
Publiziert

Rotterdamer Bürgermeister«Ist es ein gutes Gefühl, seine Stadt zu zerstören?»

Nach den schweren Corona-Krawallen in den Niederlanden hat sich der Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb in einem Video an die Randalierer gewandt.

Am Tag nach den schweren Corona-Krawallen hat der Rotterdamer Bürgermeister Ahmed Aboutaleb über Twitter die Randalierer zur Rede gestellt: «Und? Aufgewacht? ... Ist das ein gutes Gefühl, seine Stadt kaputtgemacht zu haben? ... Bist Du zufrieden?» Aboutaleb steht bei der Aufnahme am Dienstag mitten auf der Einkaufsstraße im Süden der Stadt, die Abend zuvor Schauplatz der Gewalt geworden war. Dutzende Jugendliche hatten Geschäfte geplündert, Läden demoliert und die Polizei mit Feuerwerkskörpern und Steinen angegriffen.

«Und fühlt sich das gut an, aufzuwachen mit einer Tasche voll gestohlener Sachen neben sich?», fragt der Bürgermeister. Er richtete sich auch an die Eltern: «Haben Sie gestern Ihren Sohn nicht vermisst?» Das Video wurde innerhalb weniger Stunden schon mehr als 200.000 Mal angeklickt.

Aboutaleb bedankte sich auch bei der Polizei und versicherte betroffenen Unternehmern: «Wir lassen Euch nicht im Stich.»

Ruhiger Dienstagabend

Nach den im Zuge von Corona-Maßnahmen ausgelösten schweren Krawallen der vergangenen Tagen ist es am Dienstagabend in den Niederlanden zunächst weitgehend ruhig geblieben. Zum Beginn der Ausgangssperre um 21.00 Uhr registrierte die Polizei nur vereinzelt kleine Zusammenstösse mit Randalierern. In Rotterdam wurden am Abend 17 Menschen vorsorglich festgenommen, auch aus Breda wurden Festnahmen gemeldet. In Amsterdam versammelte sich im Westen nach Angaben der Polizei eine große Gruppe junger Männer. Die Lage sei wie auch in Hilversum angespannt, meldete die Polizei.

In den zwei Nächten zuvor hatte es schwere Krawalle in zahlreichen Städten gegeben. Auslöser der Unruhen war die Ausgangssperre, die als bisher schwerste Corona-Maßnahme am Samstag erstmals in kraft getreten war. Hunderte junger Männer waren daraufhin plündernd und randalierend durch die Straßen gelaufen und hatten Polizisten mit Feuerwerk und Steinen angegriffen.

Städte und Polizei hatten sich nun massiv auf mögliche Unruhen vorbereitet. Bürgermeister erließen Notmaßnahmen und schränkten den Aufenthalt in den Zentren stark ein. Schaufenster waren mit Sperrholz verbarrikadiert. Die Polizei patrouillierte.

In mehreren Städten hatten sich Fans der Profi-Fußballvereine versammelt, um ihre Stadien zu verteidigen. In Maastricht versammelten sich mehrere hundert Fans nach Medienberichten im Zentrum, um die Stadt zu schützen, wie sie sagten. Fan-Proteste gab es auch in Eindhoven, Tilburg und 's-Hertogenbosch.

(L'essentiel/DPA/chk)

Deine Meinung