Feminismus: Japanische Gleichberechtigungsministerin kritisiert Umgang mit Frauen

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FeminismusJapanische Gleichberechtigungsministerin kritisiert Umgang mit Frauen

Die japanische Politik kümmere sich nicht wegen der niedrigen Geburtenrate im Land, kritisiert Seiko Noda. Das Unterhaus bestehe zu mehr als 90 Prozent aus «Menschen, die nicht menstruieren, nicht schwanger werden und nicht stillen können».

Tokio,
Bildtext: Japanese lawmaker Seiko Noda, an outspoken ruling Liberal Democratic Party opponent of the privatisation of the postal system and former Posts and Telecommunications Minister, speaks at the Foreign Correspondent Club of Japan in Tokyo July 6, 2005 after the lower house approved bills to privatise Japan's postal system. Prime Minister Junichiro Koizumi, set for another bruising battle with ruling party rebels, renewed his threat on Wednesday to call a snap election if the bills to privatise postal system, including the world's biggest bank, fail to be enacted. REUTERS/Toru Hanai

Die japanische Gleichberechtigungsministerin, Seiko Noda, kritisiert die Benachteiligung von Frauen in Japan scharf.

REUTERS/Toru Hanai

Die japanische Ministerin für Gendergleichberechtigung und Kinderthemen hat die niedrige Geburtenrate im Land als nationale Krise beschrieben. Japan könnte es in den kommenden Jahrzehnten an Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleuten fehlen, wenn es nicht mehr Kinder gebe, sagte Seiko Noda in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Im vergangenen Jahr seien 810.000 Babys in Japan geboren worden, das sei der bisherige Tiefststand gewesen.

Noda warf dem von Männern dominierten Parlament in Japan «Gleichgültigkeit und Ignoranz» vor, was die gesellschaftliche Entwicklung betreffe. «Leute sagen, dass Kinder ein nationaler Schatz seien. (...) Sie sagen, dass Frauen für die Gendergleichberechtigung wichtig seien. Aber das ist nur Gerede.» Das japanische Unterhaus bestehe zu mehr als 90 Prozent aus «Menschen, die nicht menstruieren, nicht schwanger werden und nicht stillen können», sagte Noda.

In Japan ist die Kluft zwischen Frauen und Männern bei der Gleichberechtigung eine der größten weltweit. In einer Umfrage des Weltwirtschaftsforums für 2022 kam Japan auf den 116. von 146 Plätzen unter Ländern.

Junge Japanerinnen und Japaner zögerten damit, zu heiraten und Kinder zu bekommen, weil die gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen dafür nicht modern seien, sagte die 61-jährige Noda. Sie prangerte ein Gesetz an, nach dem sich verheiratete Paare auf einen Nachnamen festlegen müssen. Bei 90 Prozent der Fälle sei die Frau diejenige, die ihren Namen aufgebe. Japan sei das einzige Land mit so einem Gesetz.

Nur zwei Frauen im japanischen Kabinett

«In Japan werden Frauen in vielerlei Hinsicht unterschätzt», sagte Noda. «Ich will einfach, dass Frauen die gleichen Voraussetzungen wie Männer haben.»

Noda hat sich für ein Quotensystem eingesetzt, mit dem mehr Frauen für politische Ämter kandidieren könnten. Männliche Parlamentsmitglieder kritisieren das. Sie argumentieren, eine Frau sollte anhand ihrer Fähigkeiten bewertet werden.

Noda ist Mutter eines Kindes mit Behinderung. Sie bekam ihr Kind mit 50, mit Hilfe von Fruchtbarkeitsbehandlungen. Noda setzt sich für die gleichgeschlechtliche Ehe ein. Sie ist eine von nur zwei Frauen im japanischen Kabinett, das 20 Mitglieder hat. Sie hat gesagt, dass sie die erste Ministerpräsidentin von Japan werden wolle.

(Deutsche Presse-Agentur GmbH)

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