Neues Abenteuer: «Japanische Pizza» liebt er – so lebt U-17-Weltmeister Ben Khalifa in Hiroshima

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Neues Abenteuer«Japanische Pizza» liebt er – so lebt U-17-Weltmeister Ben Khalifa in Hiroshima

Von Tunesien nach Japan: Nassim Ben Khalifa ist bei Espérance Tunis nicht glücklich geworden – auch wegen der heißblütigen Fans. Im fernen asiatischen Land gefällt es ihm besser. 

von
Nils Hänggi

Die japanischen Fans lieben Nassim Ben Khalifa. 

Nassim Ben Khalifa

«Du musst unbedingt nach Japan kommen!» Das sagt Nassim Ben Khalifa begeistert. Seit Ende April ist er nun im fernen asiatischen Land, hat einen Vertrag bis 2023 bei Sanfrecce Hiroshima unterschrieben. «Ich bin verliebt», erzählt der Schweizer U-17-Weltmeister. Dem 30-Jährigen gefallen die Kultur, die Menschen und die Stadt, die im Zweiten Weltkrieg von einer Atombombe fast komplett zerstört worden war.

Ein Grund, dass es ihm in Hiroshima so gefällt: Er spielt wieder – und das regelmäßig: In 14 Spielen in der höchsten japanischen Liga stand er schon auf dem Feld, schoss ein Tor, bereitete eines vor. In Tunesien kam er kaum mehr zum Einsatz: Seit November stand er für seinen Ex-Club Espérance Tunis nur noch sporadisch auf dem Feld. Auch, weil er einen Muskelfaserriss erlitten hatte. 

«Für mich ist es der beste Trainer»

Die Folge: Ben Khalifa war nicht mehr glücklich. Das Angebot aus Japan flatterte so zum richtigen Zeitpunkt ins Haus. Der U-17-Weltmeister löste seinen Vertrag auf und sagte zu – auch wegen Hiroshima-Coach Michael Skibbe. Der Deutsche trainierte ihn schon mehrfach. Der 30-Jährige sagt: «Für mich ist es der beste Trainer, den ich in meiner Karriere bisher hatte.»

Anfangs wohnte Ben Khalifa noch in einem Hotel, seit Anfang Juni lebt er nun in seiner eigenen Wohnung. «Ich habe mich sehr schnell in Japan eingelebt», erzählt er. Die Lebensqualität sei unglaublich und in Hiroshima gebe es einen guten Mix zwischen Stadt und Natur. Freudig erzählt Ben Khalifa von der Spezialität der Stadt: Okonomiyaki. Es ist ein Gericht, das am Tisch auf einer heißen Eisenplatte zubereitet wird und umgangssprachlich auch «japanische Pizza» heißt. 

Ben Khalifa ist froh, dass er die stressige Tunesien-Zeit hinter sich hat. Japan und das afrikanische Land – das seien zwei völlig verschiedene Welten, erzählt er. Für viele Menschen in Tunesien sei das Stadion ein Ort der Frustbewältigung. Ben Khalifa spricht von heißblütigen Fans, die stinksauer waren, wenn man nicht gewonnen hatte. 

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Im Hintergrund zu sehen: Tokio. 

Im Hintergrund zu sehen: Tokio. 

Nassim Ben Khalifa
Seit Ende April ist er nun im fernen asiatischen Land, hat einen Vertrag bis 2023 bei Sanfrecce Hiroshima unterschrieben.

Seit Ende April ist er nun im fernen asiatischen Land, hat einen Vertrag bis 2023 bei Sanfrecce Hiroshima unterschrieben.

Sanfrecce Hiroshima
Die Stadt gefällt dem Schweizer U-17-Weltmeister. 

Die Stadt gefällt dem Schweizer U-17-Weltmeister. 

Nassim Ben Khalifa

So belastend war die Zeit in Tunesien

«Im Stadion lassen sie alles raus», sagt er. «Ich wusste immer: Wenn wir heute verlieren, dann können wir eine Woche nicht aus dem Haus gehen, die Wut der Fans war zu groß.» Persönlich angegriffen habe man ihn aber nie – zum Glück. Der Druck sei einfach wirklich riesig gewesen. Ben Khalifa: «Je schlechter es den Menschen im Land ging, desto mehr erwarteten sie von uns Fußballern.» Er wolle aber nicht klagen, ihn habe diese Erwartungshaltung viel stärker gemacht. «In der Schweiz war es weniger schlimm zu verlieren», so der 30-Jährige und lacht. 

Hiroshima ist für Ben Khalifa der siebte Club in den letzten sechs Jahren. Nirgends hielt es ihn lange, öfter eckte er an. Zum Beispiel in St. Gallen, als er sich gerichtlich die Teilnahme am Abschlusstraining erstritt. Vor dieser Episode überzeugte er aber bei den Espen, Ben Khalifa denkt sehr gerne an die Zeit in St. Gallen zurück.

Auf die vielen Clubs angesprochen, meint er, dass er kein schwieriger Mensch sei, und vergleicht den Job als Fußballer mit einem im Büro. «Wenn es nicht mehr passt, muss eine Veränderung her. Oder man ist gut in seinem Job und sucht sich aus diesem Grund eine neue Herausforderung», so Ben Khalifa, der mit seiner Karriere zufrieden ist. Außerdem betont er, dass er mit sehr vielen Trainern immer gut ausgekommen sei. 

Hier wird das Lieblingsessen von Nassim Ben Khalifa zubereitet. 

Nassim Ben Khalifa

Ben Khalifa lobt die Qualität in Japan

In Japan will es der 30-Jährige nun nochmals allen zeigen. «Die Liga hat eine enorme Qualität», erzählt Ben Khalifa. Die Stadien seien super und auch seine Mitspieler lobt er. Er meint: «Die Spieler sind schnell, technisch stark und zudem sehr diszipliniert.» Mit Sanfrecce Hiroshima steht Ben Khalifa derzeit auf Platz sechs der Liga. Zusammen mit drei Brasilianern bildet er die Ausländerfraktion im Team. Und: Ein Widersacher im Kampf um die Top-Plätze ist Rekordmeister Kashima Antlers.  

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