Beyoncés «Lemonade» – Jay-Z und sein Tidal machen Musik wertlos

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Beyoncés «Lemonade»Jay-Z und sein Tidal machen Musik wertlos

Die Diskussionen um die Lyrics auf dem neuen Beyoncé-Album gehen weiter. Der Release von «Lemonade» zeigt aber vor allem, dass Musik immer mehr an Wert verliert.

Aus heiterem Himmel veröffentlichte Beyoncé in der Nacht auf Sonntag ihr sechstes Album «Lemonade». Den Release begleitete ein einstündiger Film auf HBO, danach war das Album 24 Stunden lang nur auf Jay-Zs Streamingportal Tidal verfügbar.

Zu reden gaben vor allem die Lyrics auf «Lemonade»: Beyoncé deutet in einigen Songs an, dass ihr Göttergatte Jay-Z sie betrogen hat. «Heute bereue ich die Nacht, in der ich diesen Ring angezogen habe», heißt es etwa in «Sorry». Und während Fans spekulieren, mit wem Jay seine Bey betrogen haben könnte, lacht sich das Paar wahrscheinlich ins Fäustchen.

«Storyline, um Alben zu verkaufen»

Grundsatzfrage: Angenommen Jay-Z wäre tatsächlich untreu gewesen – glauben Sie ernsthaft, er hätte zugelassen, dass seine Liebste dieses Thema in einem Album verarbeitet? Ein Album, das auch noch über sein hauseigenes Streamingportal veröffentlicht wird? Hinter den Lyrics steckt höchstwahrscheinlich Marketingkalkül.

«Sie haben diese Storyline entwickelt, um Alben zu verkaufen», sagt ein Insider zu «Page Six». «Jay und Beyoncé sind Entertainer auf dem Höhepunkt ihres Schaffens.» Je größer die Aufmerksamkeit, desto höher die Verkaufszahlen. Die Headlines zum neuen Beyoncé-Album drehen sich praktisch ausschließlich um die angebliche Untreue. «Die Spekulationen lösen sie nur aus, um Promo zu bekommen. Solange die Leute darüber reden, ist es ihnen egal.»

Die Konsumenten sind überfordert

Über die Musik spricht derweil kaum jemand. Schuld daran ist die Strategie des exklusiven Tidal-Releases. Dieses Vorgehen hat in den letzten Monaten bereits Kanye West und Rihanna einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Dass irgendwo im Internet ein neues Beyoncé-Album existiert, haben interessierte Hörer schnell mitbekommen. Der Hype war da, der Weg zum Album aber zu weit: Bisher wird über Tidal nämlich immer noch mehr geredet als Musik gehört. Zudem konnte nur das ganze Werk gekauft werden, keine einzelnen Songs. Dann gäbe es noch die Möglichkeit des einstündigen HBO-Films – aber seien wir ehrlich: Nur Hardcore-Fans wenden so viel Zeit auf.

Die Idee ist nett: Beyoncé will keine Hit-Single sondern ein Gesamtwerk. Der landläufige Musikkonsument ist damit aber überfordert. Das Resultat: Jeder spricht über «Lemonade», weil es offenbar wichtig ist, aber nur ein Bruchteil macht sich die Mühe, hinzuhören.

Musik verbindet nicht mehr

Mittlerweile gibt es «Lemonade» zwar auch auf iTunes. Spotify bleibt weiterhin ausgeschlossen. Man darf aber davon ausgehen, dass «Lemonade» in einigen Wochen auch dort auftaucht. Und so wird ein weiteres großes Album einfach in die digitale Sphäre gespült. Früher hätte man noch schweres Promo-Geschütz aufgefahren, wochenlang Hype generiert und das Produkt am Ende mit Trompeten und Fanfaren rausgeknallt. Ein solches zeitlich synchronisiertes Happening gibt es heutzutage nicht mehr. Es ist der Anfang vom Ende der Musik als verbindendes Phänomen der Popkultur.

Bereits Rihannas neue Scheibe war ein Schuss in den Ofen – nur ein Millionen-Deal mit Samsung sicherte ihr den Erfolg. Und Kanye hat sein «The Life of Pablo» unzählige Male zurückgezogen, so dass am Ende niemand mehr wusste, wie das fertige Album nun klingt. Beides waren Tidal-Releases, die auf Jay-Zs Marketingideen gewachsen sind. Damit macht er vielleicht mehr Kohle, nimmt der Musik aber auch ihren Wert. Stellen Sie sich vor: Die größten Popstars unserer Zeit veröffentlichen Musik und niemand hört hin.

(L'essentiel/nei)

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