Luxemburg: «Jean Asselborn stellt die Hälfte der Amerikaner verzerrt dar»

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Luxemburg «Jean Asselborn stellt die Hälfte der Amerikaner verzerrt dar»

LUXEMBURG – Die Worte von Außenminister Jean Asselborn (LSAP) zu den US-Zwischenwahlen haben bei den Unterstützern der republikanischen Partei im Großherzogtum für Ärger gesorgt.

von
Nicolas Martin
In Luxemburg lebende Anhänger der republikanischen Fraktion sind der Ansicht, dass ihre Partei von Jean Asselborn diffamiert wird.

In Luxemburg lebende Anhänger der republikanischen Fraktion sind der Ansicht, dass ihre Partei von Jean Asselborn diffamiert wird.

AFP/Archives

«Zu sagen, dass wir alle ‹Trumpisten› oder Extremisten sind, ist inakzeptabel. Da fragt man sich, wer hier ein Problem mit demokratischer Meinungsäußerung hat». Wie Mitglieder der Gruppe «Republicans Overseas Luxembourg» gegenüber L'essentiel erklären, stießen die medialen Äußerungen des Außenministers Jean Asselborn bei den Unterstützern der amerikanischen Partei der Republikaner nicht auf viel Gegenliebe.

«Er spricht als Außenminister und Chefdiplomat. Wie kann er da die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung verzerrt darstellen?», fragt James O'Neal, der Vorsitzender der Gruppierung. Er befürchtet eine «Verteufelung der Partei, die auch vor Luxemburg nicht Halt macht».

Auf Anfrage von L'essentiel erklärt der Minister, dass «der ehemalige Präsident Donald Trump die republikanische Partei von Grund auf verändert hat, indem er einer konservativen Partei, deren Mitglieder in ihrer Verteidigung traditioneller amerikanischer Werte alles in allem gemäßigt waren, seinen populistische Stempel aufgedrückt hat.»

James O'Neal, der Vorsitzender der «Republicans Overseas Luxembourg».

James O'Neal, der Vorsitzender der «Republicans Overseas Luxembourg».

Jean Asselborn zufolge, habe Präsident Trump durch seine wiederholten Attacken gegen das Wahlsystem und seinen Behauptungen über Wahlbetrug, lange vor Veröffentlichung der Ergebnisse, seine Partei und einen Teil der öffentlichen Meinung radikalisiert. Diese haben laut dem luxemburgischen Außenminister seine unbegründete Protestrhetorik übernommen.

Die Republikaner in Luxemburg seien größtenteils zufrieden mit dem Ausgang der US-Zwischenwahlen, auch wenn die Auszählungen noch laufen. «Über den Sieg Ron DeSantis in Florida sind wir mehr als glücklich. Er konnte Miami für sich gewinnen, das seit mehr als drei Jahrzehnten eine Hochburg der Demokraten ist. Mit einer Mehrheit im Kongress werden wir die Schäden begrenzen können, die die Demokraten in den USA anrichten», erklärt die republikanische Organisation, während die Demokraten auf die Anfrage von L'essentiel noch nicht geantwortet haben. «Für die Amerikaner in Luxemburg würde sich durch die Wahlen eigentlich nichts ändern, wären da nicht die Erklärungen des Ministers», teilen die Mitglieder der Organisation mit.

Politisches Phänomen der «Neo-Trumpisten» mittlerweile fest etabliert in den USA

«Während des Wahlkampfs für die US-Zwischenwahlen haben viele republikanische Kandidaten dem ehemaligen Präsidenten ihre Loyalität erklärt, in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Stimmen für ihre Partei sammeln zu können», so Jean Asselborn. Diese oftmals extrem handelnden «Neo-Trumpisten» stellen ein neues politisches Phänomen dar, das in den Vereinigten Staaten mittlerweile fest etabliert ist.

Luxemburgs Außenminister hält es außerdem für schwer nachvollziehbar, dass eine etablierte und renommierte Partei wie die republikanische derartige Schwierigkeiten hatte, eine ordnungsgemäße Untersuchung der Ereignisse des 6. Januars 2021 auf den Weg zu bringen, und alle sich daraus ergebenden Konsequenzen zu ziehen. «Es geht um die Glaubwürdigkeit der Partei gegenüber dem amerikanischen Wahlvolk», so der Minister weiter. Die aktuellen Wahlen haben laut Ansicht von Asselborn gezeigt, dass verschwörerische und extreme Rhetorik nicht mehr fruchten. Viele der von Donald Trump unterstützten Kandidaten haben gegen ihre Mitbewerber von der demokratischen Partei verloren.

Das wiederum bestreiten die Republikaner in Luxemburg und betonen, dass 82 Prozent der von Trump unterstützten Kandidaten gewonnen haben. 2020 waren es 78 Prozent. Außerdem heben sie hervor, dass die Anhörungen zum 6. Januar 2021 noch im Gange seien und nach den geltenden Gesetzen verliefen. Zudem seien nicht alle Republikaner «Trumpisten». Viele von ihnen träten dafür ein, dass Ron DeSantis der nächste Kandidat wird.

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