Das Ende einer Ära – Jean-Claude Juncker hat den Kampf verloren

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Das Ende einer ÄraJean-Claude Juncker hat den Kampf verloren

LUXEMBURG - Jean-Claude Juncker war der dienstälteste Regierungschef in der EU: Seit 18 Jahren stand er in Luxemburg an der Spitze.

 Nach der Regierungskrise und den vorgezogenen Neuwahlen hat er gekämpft wie ein Löwe, und verloren.

Nach der Regierungskrise und den vorgezogenen Neuwahlen hat er gekämpft wie ein Löwe, und verloren.

AFP

Jüngere Menschen können sich nicht daran erinnern, dass Luxemburg irgendwann einmal nicht von Jean-Claude Juncker regiert wurde. Seit 18 Jahren leitet Juncker die Geschicke des Großherzogtums, seit mehr als 30 Jahren hat er ein Regierungsamt. Bei EU-Gipfeln ist er der Erfahrenste, mit 58 Jahren aber nicht der Älteste. «Ich wollte nie Berufspolitiker werden. Aber ich kann vom Karriereverlauf her nicht abstreiten, dass ich das geworden bin», sagt Juncker, der gleich nach seinem Jurastudium in Straßburg eine steile Karriere in der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) begann.

Jean-Claude Juncker war als Premier Minister nicht nur im zweitkleinsten Land der EU die beherrschende Figur, sondern auch einer der ganz Großen der europäischen Politik. Als langjähriger Finanzminister - beide Ämter führte er viele Jahre in Personalunion - wurde Juncker vor allem zu einem Vater der Euro-Währung, als Vorsitzender der Eurogruppe von 2005 bis Anfang 2013 zum Krisenmanager der um ihre Existenz kämpfenden Gemeinschaftswährung.

«Wir sind Harmonisierer aus Berufung»

Überzeugter Europäer sei er unter anderem deshalb, weil Luxemburg als kleines Land zwischen den beiden großen Nachbarn Frankreich und Deutschland ein besonderes Interesse am Frieden auf dem Kontinent habe - und eine besondere Fähigkeit zum Aushandeln von Kompromissen. «Wir sind Harmonisierer aus Berufung», sagt der vielsprachige Juncker.

Als Sohn eines von deutschen Besatzern einst zwangsrekrutierten Hüttenwerkspolizisten verbrachte Juncker eigenen Angaben zufolge eine glückliche Kindheit «im Rhythmus der Schmelze». Junckers Vater, in der christlichen Gewerkschaftsbewegung aktiv, hielt seinen Sohn schon als Kind an, Zeitung zu lesen und sich für Politik zu interessieren.

Eine Wahlniederlage die keine war

Die Ergebnisse der vorgezogenen Wahlen am Sonntag klangen zunächst wie ein Schuss vor dem Bug des dienstältesten Regierungschefs der EU. Die CSV schloss zwar als stärkste Kraft des Landes ab, musst aber federn lassen (- 4,36 Prozent) während Jean-Claude Juncker zwar der beliebteste Politiker im Großherzogtum blieb aber 11 151 Stimmen gegenüber den letzten Wahlen einbüßen musste.

Der bittere Gang in die Opposition könnte das Ende der politischen Karriere von Jean-Claude Juncker in Luxemburg bedeuten. Die Europäische Volkspartei (EVP) sucht für die Europawahlen ein neues Zugpferd, gut möglich das Juncker bald den Sattel wechselt.

(L’essentiel Online / dpa)

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