Workaholics – Jeder dritte Berater täuscht Überstunden vor

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WorkaholicsJeder dritte Berater täuscht Überstunden vor

Unternehmensberater gelten als Arbeitstiere. Doch ein Beispiel aus den USA zeigt jetzt: In einer Firma schleicht jeder dritte Berater heimlich nach Hause.

Beratungsfirmen haben den Ruf, knallharte, überfleißige und schnellarbeitende Mitarbeiter zu haben. Immer erreichbar, viel auf Reisen und nie vor Mitternacht im Bett. Und das alles bei einer 70-Stunden-Woche, so das Klischee.

Doch das stimmt nicht immer, wie der Spiegel berichtet. Er beruft sich auf eine Fallstudie der Uni Boston und schreibt: «In einer großen internationalen Beratungsfirma arbeiten von 115 Beratern gut ein Viertel gar nicht rund um die Uhr – sondern tun nur so. Und werden von den Vorgesetzten trotzdem mit Lob und Geld bedacht.»

Drei verschiedene Beratertypen

Die äußerst interessanten Ergebnisse wurden in der Wissenschaftszeitschrift «Organization Science» veröffentlicht. Darin werden drei Arten von Beratertypen identifiziert:

1. Berater, die tatsächlich lange arbeiten und dem Ruf der überfleißigen Arbeitsbienen gerecht werden.

2. Berater, die sich gegen die langen Arbeitszeiten wehrten, weniger Reisen wollten und dies auch durchsetzten.

3. Berater, die vorgaben, dauernd beschäftigt zu sein, aber eigentlich oft früher aus dem Büro davonschlichen.

Interessant ist: Sowohl die erste als auch die dritte Gruppe schnitt bei den Bewertungen durch die Chefs sehr gut ab. Schlecht schnitt hingegen der zweite Beratertyp ab. Solche Personen wurden in der Firma oft von ihrem Chef abgestraft.

Ein Beispiel für den dritten Typ war ein Berater, der sagte, er arbeite gezielt mit einem Kunden in der Nähe. Er sei dann um 17 Uhr mit der Arbeit fertig und könne zu Hause noch mit seiner kleinen Tochter spielen. Am Wochenende versuche er, nicht mehr als zwei Stunden zu arbeiten. Von seinem Chef bekam er schließlich trotzdem eine gute Bewertung – und wurde befördert, so der Spiegel.

Frauen sind transparenter

In der Studie tat sich außerdem ein Unterschied bei den Geschlechtern auf. Frauen machten insgesamt ihre Absenzen häufiger transparent als ihre männlichen Kollegen. Sie bekamen entsprechend häufiger schlechte Bewertungen als ihre männlichen Kollegen und fielen somit in die Gruppe zwei.

Männer scheinen also den Trick rauszuhaben und wissen, wie sie geschäftig wirken, ohne es zu sein. «So schaffen sie es besser als Frauen, sich diskret wegzuducken oder unter dem Radar der Vorgesetzten durchzufliegen», so das Fazit in Bezug auf die Unterschiede bei den Geschlechtern.

(L'essentiel/kwo)

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