Unicef – Jeder fünfte Flüchtling ist noch ein Kind

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UnicefJeder fünfte Flüchtling ist noch ein Kind

Immer häufiger werden minderjährige Migranten an Europas Grenzen registriert. Oftmals sind die Kinder dabei ohne Erwachsene auf der Flucht.

Nie zuvor waren nach Angaben internationaler Organisationen so viele Kinder auf der Flucht nach Europa wie heute. Allein im Oktober war jeder dritte Flüchtling, der an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien registriert wurde, minderjährig.

Das teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) am Dienstag in Genf mit. Noch im Juni seien nur etwa zehn Prozent der Asylsuchenden Kinder gewesen. Ihr Anteil habe sich insgesamt im bisherigen Durchschnitt des Jahres 2015 auf 20 Prozent verdoppelt. Dabei nehme auch die Zahl der Kinder zu, die ohne Begleitung von Verwandten oder anderen Erwachsenen auf den Flucht sind.

Weniger Flüchtlinge im November

Derweil stieg die Gesamtzahl der seit Januar über das Mittelmeer nach Europa geflohenen Menschen auf mehr als 870.000, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. Beinahe ein Drittel der mehr als rund 3600 Flüchtlinge, die seit Anfang 2015 im Mittelmeer umgekommen sind, waren laut UNICEF und IOM Mädchen und Jungen im Alter bis zu 17 Jahren. Fünf Prozent waren jünger als zwei Jahre.

Im November ging die Zahl der über das Mittelmeer nach Europa kommenden Flüchtlinge um mehr als ein Drittel zurück, wie das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf bekannt gab. Demnach wagten im November etwa 140.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt. Dies seien 36,5 Prozent weniger als im Oktober, als noch mehr 220.000 Menschen über das Mittelmeer flohen.

Deal mit der Türkei

Es war den Angaben zufolge das erste Mal in diesem Jahr, dass im Monatsvergleich ein Rückgang zu verzeichnen war. Als Ursachen für die Entwicklung nannte das UNHCR den Wintereinbruch und den erhöhten Druck auf Schleuser in der Türkei.

Die EU und die Türkei hatten sich am Sonntag in Brüssel auf einen gemeinsamen Aktionsplan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise geeinigt. Die Türkei verpflichtete sich, die Flüchtlinge nicht länger ungesteuert weiter Richtung EU reisen zu lassen.

Im Gegenzug erhält Ankara drei Milliarden Euro, um eine bessere Versorgung der Flüchtlinge in der Türkei sicherzustellen. Außerdem wurden dem Land Visa-Erleichterungen und ein Entgegenkommen bei den Verhandlungen zum Beitritt in die Europäische Union zugesagt.

(L'essentiel/dia/sda)

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