In Luxemburg – Jeder Sechste steht am Armutsabgrund

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In LuxemburgJeder Sechste steht am Armutsabgrund

LUXEMBURG – Die Armutsquote hat im Großherzogtum mit fast 16 Prozent eine traurige Spitze erreicht. Fast die Hälfte der Singles mit Kindern ist von Armut bedroht.

Im Vergleich zu seinen Nachbarn hat Luxemburg den kleinsten Abstand zwischen monatlichem Brutto-Mindestlohn (1874 Euro) und Armutsgrenze für Einzelpersonen (1665 Euro).

Im Vergleich zu seinen Nachbarn hat Luxemburg den kleinsten Abstand zwischen monatlichem Brutto-Mindestlohn (1874 Euro) und Armutsgrenze für Einzelpersonen (1665 Euro).

AFP

Es ist viel da, im Großherzogtum. Nur bekommen immer weniger etwas davon ab. Jean-Claude Reding, Sprecher der Angestellten-Kammer, formuliert es so: «Auch wenn das Großherzogtum eines der weltweit hoch entwickelten Ländern ist – der Reichtum ist zunehmend ungleichmäßig auf die Bevölkerung verteilt». Und die Zahlen, die seine Vereinigung am Donnerstagmorgen in ihrem Bericht «Panorama Sozial 2015» veröffentlichte, geben ihm Recht. Im Jahr 2013 waren fast 16 Prozent der Luxemburger armutsgefährdet, ein trauriger Spitzenwert für das kleine Land. Noch besorgniserregender ist eine Steigerung dieser Quote um ganze vier Prozentpunkte in den vergangenen 15 Jahren. Vor allem alleinerziehende Mütter und isoliert lebende Menschen sind von Armut bedroht. Mit 46 Prozent ist fast die Hälfte der Alleinstehenden mit Kindern von Armut bedroht. Bei den Mietern sind ein Drittel betroffen, gegenüber 10 Prozent bei den Eigentümern.

Im Vergleich zu seinen Nachbarn hatte Luxemburg 2013 den kleinsten Abstand zwischen dem monatlichem Brutto-Mindestlohn (1874 Euro) und der Armutsgrenze für Einzelpersonen (1665 Euro). Nur 209 Euro liegen dazwischen. In Belgien betrug der Unterschied 427 Euro, in Frankreich 383 Euro. Lohnniveau und Lebenshaltungskosten sind im Großherzogtum laut dem Bericht also nicht im Einklang. Und die hohe Quote der Armutsgefährdung spielt auch in die Beschäftigungssituation ein: Zwischen 2013 und 2014 stieg die Jugendarbeitslosigkeit um ganze 8,5 Prozentpunkte auf 24 Prozent. Damit liegt Luxemburg ein gutes Stück über dem europäischen Durchschnitt von 21,7 Prozent.

Auch der Anteil der nicht mehr entschädigten Arbeitslosen ist stark gestiegen: Im Jahr 2014 waren es über 60 Prozent, vor zehn Jahren lag der Wert noch unter 40 Prozent. Seit 2009 nimmt der auch Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtbevölkerung stetig zu und nähert sich der Marke von zwei Prozent. Und auch, wenn der Anteil der unfreiwillig in Teilzeit arbeitenden Angestellten mit zehn Prozent noch unter dem europäischen Durchschnitt (28,6 Prozent) liegt, zeichnen sich in Luxemburg neue Entwicklungen ab: Denn die Zahl der Beschäftigten, die sogar zwei Jobs haben, ist in den vergangenen sechs Jahren um 2,5 Prozentpunkte gestiegen und macht nun drei Prozent der Bevölkerung aus.

(Thomas Holzer/L'essentiel)

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