Syrien-Konflikt – Jetzt brennt's auch in den Nachbarstaaten

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Syrien-KonfliktJetzt brennt's auch in den Nachbarstaaten

Der Konflikt in Syrien weitet sich aus: Im Libanon wird gekämpft, die Türkei vermutet eine syrische Beteiligung bei einem Bombenanschlag und nun flog ein syrischer Jet über irakischen Luftraum.

Der Konflikt zieht weite Kreise: Am Donnerstag drang erstmals seit Beginn der Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Aufständischen ein Flugzeug der syrischen Luftwaffe in den irakischen Luftraum ein.

Aus Militärkreisen in der irakischen Anbar-Provinz hieß es, das syrische Flugzeug habe sich nahe dem geschlossenen Grenzübergang Al- Kaim vier Minuten lang über irakischem Territorium aufgehalten. Der Pilot habe vermutlich Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) in dem syrischen Grenzort Al-Bukamal im Visier gehabt.

Hunderte Zivilisten steckten in Al-Bukamal an der Grenze fest, meldeten irakische Medien. Die irakischen Sicherheitskräfte hatten den Grenzübergang Al-Kaim am Vortag mit Betonsperren blockiert. Diese Massnahme war mit der Präsenz der FSA auf der syrischen Seite der Grenze begründet worden.

Mögliche Verwicklungen in der Türkei

Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Bülent Arinc sagte in einem Interview am Mittwoch mit dem Nachrichtensender CNN-Türk, türkische Behörden ermittelten, ob Syrien in die Explosion einer Bombe mit neun Toten am Montag verstrickt sei. Der Sprengsatz explodierte im Südwesten des Landes, in der Nähe der Stadt Gaziantep nahe der Grenze zu Syrien.

Die türkische Regierung hatte zunächst die kurdische Arbeiterpartei PKK auch für diesen Anschlag verantwortlich gemacht. Arinc sagte am Mittwoch, die Ermittlungen seien nicht auf Syrien beschränkt, ließ aber offen, ob sogar der Iran der Mittäterschaft verdächtigt werde. Der Iran gilt als Verbündeter Syriens. Die Türkei hingegen hat sich eindeutig gegen die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar Assad gestellt und unterstützt die Rebellen.

Gefechte im Libanon

In der libanesischen Stadt Tripoli setzten unterdessen auch nach dem Eingreifen der libanesischen Armee die verfeindeten Clans ihre Kämpfe fort. Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen den in benachbarten Vierteln lebenden Sunniten und Alawiten erhielt zuletzt durch den Bürgerkrieg in Syrien neue Nahrung.

Die Sunniten sympathisieren mit den syrischen Revolutionären. Die Alawiten unterstützen den alawitischen Präsidenten Syriens, Baschar al-Assad.

(L'essentiel Online/sda/dapd)

Amnesty und IKRK schlagen Alarm

Amnesty International warf der syrischen Regierung vor, wahllos Wohnviertel zu bombardieren. Die Menschenrechtsorganisation hat rund 30 Angriffe in der umkämpften Stadt Aleppo untersucht, bei denen mindestens 80 unbeteiligte Zivilisten getötet worden seien. Die Armee bombardiere Wohngebiete, in denen sie Rebellen vermutet, anstatt militärische Ziele ins Visier zu nehmen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekräftige seine Forderungen nach einer Kampfpause, und wurde dabei von UNO und EU unterstützt. Seit nahezu vier Wochen seien die Helfer nicht mehr in der Lage, bestimmte Gebiete zu erreichen, etwa in Aleppo und Homs, sagte IKRK-Sprecher Hicham Hassan in Genf.

Der Syrische Rote Halbmond, dessen Helfer vom IKRK ausgestattet werden, habe zudem seine Operationen in vielen Teilen des Landes einstellen oder stark einschränken müssen.

USA und Türkei beraten über Zeit nach Assad

Nach Presseberichten haben Vertreter der USA und der Türkei in Ankara mit den Vorbereitungen auf die Zeit nach einem Sturz Assads begonnen. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um die Einrichtung einer Schutzzone für Flüchtlinge auf syrischem Gebiet an der syrisch-türkischen Grenze, falls sich der Zustrom von Menschen aus dem Nachbarland weiter verstärkt.

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