Premier Xavier Bettel – «Jetzt ist der Moment, sich zusammenzureißen»

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Premier Xavier Bettel«Jetzt ist der Moment, sich zusammenzureißen»

LUXEMBURG – Trotz der stetig zunehmenden Infektionszahlen hat sich Luxembrgs Regierung am Samstag gegen schärfere Maßnahmen entschieden. Doch der Premier warnt.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Premierminister Xavier Bettel verkündeten am Samstagabend das weitere Vorgehen Luxemburgs in der Corona-Pandemie.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Premierminister Xavier Bettel verkündeten am Samstagabend das weitere Vorgehen Luxemburgs in der Corona-Pandemie.

Editpress

Nicht nur in Luxemburg, sondern auch in den Nachbarländern und in ganz Europa steigen derzeit die Corona-Infektionen wieder rapide an. Das stellte Premierminister Xavier Bettel (DP) am Samstag zu Beginn der Pressekonferenz im Anschluss an die außerordentliche Sitzung des Regierungsrates klar.

Allerdings seien die positiven Tests nur ein Kriterium für die Entscheidungsfindung der Regierung. Ein anderes sei die Lage in den Krankenhäusern. Und weil diese laut Bettel nach wie vor stabil sei, habe die Regierung vorerst keine neue Maßnahmen beschlossen. Luxemburg müsse die Regeln derzeit nicht verschärfen, weil die Maßnahmen hierzulande im Vergleich zum Ausland bereits in den vergangenen Tagen relativ restriktiv gewesen seien.

« Wir haben es selbst in der Hand »

Es folgte ein Apell des Premierministers an die Bürger: Es sei unabdingbar, die sozialen Kontakte so gering wie möglich zu halten. Jeder müsse die Barrieregesten einhalten, um insbesondere Risikopatienten zu schützen – auch bei privaten Treffen. Arbeitnehmer sollen so weit wie möglich aus dem Homeoffice arbeiten.

Solidarität sei nun mehr denn je der Schlüssel. «Keiner darf denken, dass ihn das Virus nicht betrifft», sagte Bettel. Sinkende Zahlen seien in den kommenden Tagen nicht zu erwarten, weil sie das Ergebnis des Verhaltens der vergangenen Tagen seien. Würden die Regeln nun wieder überall besser umgesetzt, seien die ersten niedrigen Zahlen in den kommenden Wochen zu sehen. «Jeder, der sich an die regeln hält, ist Teil der Lösung. Jeder, der das nicht tut, ist ein Teil des Problems», sagte der Staatschef. Jetzt sei der Moment gekommen, sich zusammenzureißen. «Wir haben es selbst in der Hand», so Bettel weiter.

« Wir haben die Lage im Griff »

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LASP) bestätigte im Anschluss die gute Lage in den Krankenhäusern. Allerdings würden die Dienste deshalb nicht zurückgefahren. Gut sei, dass der Altersdurchschnitt der positiv Getesteten weiterhin niedrig ist. Ältere Personen seien also relativ gut geschützt. Aber auch Lenert erklärte, dass unnötige Kontakte vermieden werden müssten. Luxemburg habe «die Lage im Griff», weil das Land viel dafür investiert habe.

Die Gesundheitsministerin forderte die Bürger einmal mehr auf, Buch über die Kontakte zu führen. So könne bei der Rückverfolgung viel Zeit gespart werden.

« Es gibt noch einen Funken Hoffnung »

Auch wenn es vorerst keine neuen Restriktionen gibt, kündigte Lenert an, dass einige Gesetzestexte angepasst werden sollen. Beispielsweise sollen die Regeln, die derzeit in den Kneipen und Restaurants gelten, auf alle Bereiche ausgeweitet werden, in denen Lebensmittel verkauft werden.

Weil die Testzentren derzeit geradezu überrollt werden, können sich Personen, die einen Test von einem Arzt verordnet bekommen haben, fortan auch in einem Zentrum bei der Nationalbibliothek auf dem Kirchberg testen lassen. Dieses sei ab Montag täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Zudem werde die Armee ab sofort das Contact-Tracing unterstützen.

Laut Lenert habe sich der Regierungsrat gegen neue Maßnahmen entschieden, weil es «noch einen Funken Hoffnung» gebe. Sollte sich die Lage verschlechtern, würden rasch Einschränkungen folgen – insbesondere, wenn sich die Lage in den Krankenhäusern verschlimmert.

Die Pressekonferenz können Sie in unserem Liveticker nachlesen.

(Sebastian Weisbrodt/L'essentiel)

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