Italienisches Müll-Chaos – «Jetzt putzen wir»

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Italienisches Müll-Chaos«Jetzt putzen wir»

In Neapel stinken Müllberge zum Himmel – aber vor allem stinkt es den Bewohnern, dass ihre Stadt derart übel riecht. Jetzt nehmen sie Besen und Seife selber in die Hand.

Eigentlich schade: Neapel, das in der Beschreibung des deutschen Dichters Thomas Steinfeld «zu groß ist, um zu verschwinden, und zu elend, um nicht immer wieder ein hoffnungsloses Projekt zu werden», versinkt immer wieder im Müllchaos. Die Behörden sind nämlich nicht imstande, eine geregelte Abfallentsorgung in Gang zu bringen.

Die drittgrößte Stadt Italiens hat in den letzten Jahren über 100 Müllkrisen hinter sich. Und die Folgen sind sichtbar: 2 300 Tonnen Müll liegen ständig an Straßenecken und auf Piazzas und gären vor sich hin. Damit soll nun endgültig Schluss sein – aber nicht, weil die Behörden endlich eine Lösung gefunden haben, sondern weil die Bewohner die Nase - im wahrsten Sinne des Wortes - gestrichen voll haben.

«Wir machen das»

Vor sechs Wochen hat sich eine neue Facebook-Gruppe gebildet. Unter dem Motto «Wir putzen jetzt die Piazza» hat die virtuelle Bewegung - von Anfang an - einen Riesenerfolg: 2 800 Mitglieder in den ersten drei Wochen und seither 100 neue Beitritte täglich. Das Ziel der Gruppe ist sehr einfach: Mit Besen, Handschuhen, einem Wassereimer und etwas Seife ihre geliebte Stadt wieder mit neuem Glanz zu versehen.

Einmal pro Woche versammeln sich die Neapolitaner und putzen jeweils einen anderen Stadtteil. Emiliana Pellone, die 27-jährige Initiantin der Flash-Mob-artigen Aktion, ist der Kopf hinter der Kampagne, die inzwischen einen neuen Namen bekommen hat: «CleaNap», ein Wortspiel aus «Clean Napoli» und «Clean Up» («Wegputzen»). Das erste Guerrilla-Putzen fand auf der Piazza Bellini statt. «Warum beginnen wir nicht einmal? Wir filmen die Aktion und veröffentlichen sie im Netz. Wenn das funktioniert, könnten wir an einem weiteren Ort putzen», schrieb sie ihren Community-Freunden.

Alles putzt

Offenbar hat es funktioniert. Bald teilte Pellone die Stadt in vier Zonen und organisierte die Menschenschar – vom jungen Studenten bis zur 65-jährigen Mamma hatten sich Hunderte angemeldet. Nach der ersten Aktion folgten vier weitere. Die Nächste ist für den 24. Juli geplant, bei der 17 Piazze gleichzeitig geputzt werden sollen – so viel Leute haben sich bereits zum Einsatz eingetragen.

Den Bürgermeister Luigi de Magistris freut es: «Ich war schon immer überzeugt, dass die Neapolitaner zu einer Umweltrevolution fähig sind», sagt er gegenüber der italienischen Zeitung «La Repubblica». Die Aktion habe einen hohen symbolischen Wert. Dass es eigentlich Aufgabe der Stadtverwaltung wäre, für die Reinigung der Stadt zu sorgen, darüber schweigt er.

L'essentiel Online/kle

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