In der Luxusausführung – Jogginghosen sollen die Finanzwelt erobern

Publiziert

In der LuxusausführungJogginghosen sollen die Finanzwelt erobern

Karl Lagerfeld sagte einmal, wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Doch die Modebranche liebt die Hosen.

An die Kombination von Business-Anzügen mit Turnschuhen haben wir uns längst gewöhnt. Auch Jeans sind in den meisten Branchen als Büro-Outfit erlaubt. Doch in der kommenden Herbstsaison wollen die Modedesigner den Casual-Chic auf die Spitze treiben: Mit Jogginghosen fürs Büro. An Männerbeinen.

Geht gar nicht? Geht doch, finden zumindest immer mehr Designer. Die Modeindustrie verspricht sich viel vom Hype um Jogginghosen, Sweatshirts und Kapuzenjacken, die abseits von Fitnessstudio oder Joggingstrecke getragen werden. Der weltweite Markt für sportliche Kleidung wird bis 2019 knapp 180 Milliarden Dollar wert sein, schätzt die Beratungsfirma Trefis aus Boston.

Wachsender Markt

Der US-Bekleidungsriese Gap bezeichnet seine Workout-Linie Athleta denn auch als sein vielversprechendstes Geschäftsfeld und erwartet bessere Umsätze als mit Jeans. Atmungsaktive Tops und Yoga-Hosen seien «das neue Denim», sagt Gap-Chef Glenn Murphy.

US-Modezar Michael Kors geht noch weiter. Bei der Präsentation seiner Herbst-/Winterkollektion 2014 für Männer schickte auch er Models in Jogginghosen über den Laufsteg. Kombiniert mit maßgeschneiderten Blazern und Hemden könne der Look «den Dresscode der Wall Street knacken», ließ Michael Kors vollmundig verlauten. Auch Labels wie Ralph Lauren, Lanvin, Dolce&Gabbana oder Balmain preisen ihre «Sweatpants» als neue Alternative für gewöhnliche Männerhosen an.

Angriff auf die Wall-Street-Uniform

Mit den gewöhnlichen Modellen aus dem Sportfachgeschäft haben sie aber nicht mehr viel gemeinsam: Die schmal geschnittenen Designer-Jogginghosen sind aus Kaschmir, Wildleder oder kariertem Anzugsstoff – Letzteres soll sie bürotauglicher machen.

Und das hat seinen Preis: Es gibt Modelle – beispielsweise mit Seidenanteil –, die mehr als 600 Euro kosten. Eine Stil-Revolution dürfte es in der Bankenbranche aber nicht geben. «Für Männer ist der Jogging-Hosen-Look praktisch nur in kreativen Branchen denkbar, in einer Bank nicht», sagt Stilberater Jeroen van Rooijen zu 20 Minuten.« Das kann ich mir kaum passend vorstellen.» Eine modemutige Frau könnte es laut van Rooijen eher wagen, indem sie die Jogginghosen zu High Heels und einer kurzen Smokingjacke trägt. «Es braucht Gegenmaßnahmen, damit diese Hosen nicht schlampig wirken», findet van Rooijen.

Eher für junge Männer

«Es kommt auf die Branche an», sagt auch Stilexpertin Luisa Rossi. Ein Mitarbeiter einer Marketingagentur könne den Look wagen, ein Banker wohl eher nicht. Abhilfe schaffen will da das Label Betabrand. Die US-Firma bietet Jogginghosen fürs Büro an: Die Hose sieht aus wie eine Anzughose, ist aber aus bequemerem Stoff. Reißverschluss und Hosentaschen sind nur vorgetäuscht, für den Gürtel gibt es Laschen.

Aber sind die Männer überhaupt mutig genug, eine Designer-Trainerhose im Büro zu tragen? Ja, findet Rossi – doch der Modemut hänge stark vom Alter ab. «Junge Männer, die sowieso schon an locker sitzende Hosen gewöhnt sind, werden dem Trend eher zusagen als die Generation 40 plus.»

(L'essentiel/vb)

Deine Meinung