Literatur in Luxemburg – «Jugendliche lesen immer weniger, es ist ein Desaster»
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Literatur in Luxemburg«Jugendliche lesen immer weniger, es ist ein Desaster»

LUXEMBURG - James Leader hat den 1. Preis beim nationalen Literaturwettbewerb in der Kategorie «Jugendliteratur» gewonnen. Ein Interview mit dem Schriftsteller und Lehrer.

James Leader arbeitet als Lehrer, Lyriker und Schriftsteller. Er gewann dieses Jahr den Luxemburger Literaturpreis, für sein neues Buch sucht er noch einen Verlag.

James Leader arbeitet als Lehrer, Lyriker und Schriftsteller. Er gewann dieses Jahr den Luxemburger Literaturpreis, für sein neues Buch sucht er noch einen Verlag.

«Ich habe meinen Schülern zwei Monate gegeben, um ‹Les Hauts de Hurlevent› zu lesen», erzählt James Leader. «Sie kamen gerade einmal bis zur Hälfte. Die jungen Leute lesen immer weniger, es ist ein Desaster.»

Der Engländer, der seit 16 Jahren in Luxemburg lebt und Literatur an der Europaschule unterrichtet, betätigt sich selbst als Schriftsteller. «Nicht wenige meiner Schüler haben meine ersten beiden Bücher gelesen», berichtet er erfreut.

«Jugendliche interessieren sich für Ungleichheiten»

Leader stellte gerade eben seinen dritten Roman, «The Venus Zone», fertig. Das Buch ist zwar noch nicht erschienen, hat aber bereits den nationalen Literaturpreis in der Kategorie «Jugendliteratur» gewonnen. «Es ist eine Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen, es geht aber auch um Themen wie Kapitalismus, antikapitalistischen Aktivismus und um Konzerne, die ihre Steuern nicht zahlen.» Die Geschichte hat aktuellen Bezug, auch zur Lebenswelt von jungen Leuten.

«Jugendliche interessieren sich für Ungleichheiten. Wenn man ihnen die Wirklichkeit hinter ihren einfachen Leben, hinter den Reichtümern zeigt, dann macht sie das betroffen und schockiert», erklärt der Lehrer. Um junge Leute für das Lesen zu begeistern, versucht Leader die Themen, die Jugendliche ansprechen, abzuwandeln und ihnen starke und spannend geschriebene Geschichten zu erzählen, die auch nicht den Humor vergessen.

Um die Geschichte 2017 auf den Markt zu bringen, braucht er aber noch einen Verlag. «Ich weiß nicht, ob das Buch hier oder in Großbritannien oder sogar in den USA verlegt werden wird. Aber ich hätte gern, dass es in Luxemburg ist. Man bekommt auch Beihilfen für die Übersetzung ins Luxemburgische, das wäre fein.»

(Jérôme Wiss/L'essentiel)

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