Bommeleeër-Prozess – Juncker sagt kommenden Dienstag aus

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Bommeleeër-ProzessJuncker sagt kommenden Dienstag aus

LUXEMBURG - Am Mittwoch traten mehrere Zeugen vor Gericht, darunter Journalist Joseph Lorent, der ein Ehepaar nach dem Findel-Anschlag zur Polizei begleitet hatte. Juncker sagt Dienstag aus.

Als erster Zeuge trat am Mittwoch beim Bommeleeër-Prozess Joseph Lorent, langjähriger Journalist beim Luxemburger Wort und heutzutage Generalsekretär beim Presserat, vor das Gericht. Lorent hatte damals der Familie Schommer, die ein Feld am Findel besaß, beim Gang zur Polizei geholfen. Sie hatten nach dem Bombenanschlag am Findel 1985 eine verdächtige Person gesehen. Laut Lorent war die Gendarmerie alles andere als froh, die Zeugen zu sehen.

Die Familie Schommer will damals einen Mann gesehen haben, der mit Kabeln am Flughafen herumlief. Lorent: «Als ein Phantombild angefertigt werden sollte, wurden die Zeugen förmlich unter Druck gesetzt. Sie machten es durcheinander. Es kam am Ende ein ganz anderes Phantombild raus. Am Schluss machten sich die Beamten noch lustig über uns.»

Laurent: Diseviscourt wußte, wer die Bommeleeër sind

Der Journalist berichtete außerdem von einem Treffen mit einem alten Journalisten-Kollegen, der ihm über die Bommeleeër erzählt haben soll. Sein Kollege habe von einem Gespräch mit dem verstorbenen Offizier Diseviscourt berichtet, so Laurent.
Gegenüber dem Journalisten soll Diseviscourt gesagt haben, er wisse wer die Bommeleeër sind: «Ich darf es aber nie sagen. Selbst meine Frau weiß nichts davon.» Offizier Diseviscourt war 2010 verstorben. Laut Anwalt Gaston Vogel wurde kurz nach Diseviscourts Tod dessen Haus geräumt. Dabei seien auch Kisten mit Akten verschwunden.

Gefährliche Taschenlampe

Das Gericht kündigte außerdem an, dass ein weiterer wichtiger Zeuge am 5. März angehört werde. Es geht um Louis Giscard d'Estaing. Dieser hatte Prinz Jean ein Alibi für den Findel-Anschlag verschafft. Der Prinz sei damals auf einer Jagd in Frankreich gewesen, so Giscard d'Estaing.

Der nächste Zeuge, Daniel Lauckes, will beim Anschlag auf den Findel zwei Verdächtige gesehen haben. Lauckes: «Ich musste eine Vollbremsung machen. Beide liefen an meinen Wagen über die Straße in Richtung US-Militärfriedhof.» An die Gesichter konnte Lauckes sich jedoch nicht mehr erinnern.

Als nächster Zeuge trat Jean Feyereisen vor das Gericht. Er hatte damals ein Tag nach dem Findel-Anschlag eine verdächtige Taschenlampe unweit des Tatorts gefunden. Er griff danach, die Lampe explodierte. Er erlitt schwere Handverletzungen. Feyereisen arbeitete damals bei der Straßenbauverwaltung. «Wir wunderten uns, als wir zum Anschlagsort fuhren. Das Tor stand auf, wir konnten einfach reinfahren. Es gab keine Kontrollen.» Der Zeuge wunderte sich auch darüber, dass die Ermittler vor Ort die Lampe nicht gefunden haben.

Bleibt das Alibi für Prinz Jean?

Roland Block, der nach Feyereisen in den Zeugenstand gerufen wurde, ist ein ehemaliger Arbeitskollege von Eugène Beffort. Dieser hatte stets gesagt, am Findel Prinz Jean gesehen zu haben. «Er hat vom Arbeitsplatz aus die Bommeleeër-Nummer bei der Gendarmerie angerufen. Dort hat sich den ganzen Tag keiner gemeldet», so Block weiter. Beffort habe auch von den Drohungen erzählt, er solle diesen Namen nie in der Öffentlichkeit sagen. «Für mich war er immer glaubwürdig», so Block. Beffort starb 2012.

Roland Block hatte damals als Zeuge Beffort bei seinem Gespräch mit dem damaligen Premierminister Jean-Claude Juncker begleitet. Block: «Beffort wollte seine Informationen an die Öffentlichkeit bringen. Er wollte aber nicht mit der Polizei reden.» Bei seinem Gespräch mit Juncker wollte Beffort den Namen der von ihm beobachteten Person nicht nennen. Er zeigte einen Bierdeckel mit dem Namen Prinz Jean. «Das kann nicht sein», antwortete Juncker. Er wollte diese Information weiter an die Ermittler geben. Der Ex-Premier wird am kommenden Dienstag vor dem Gericht aussagen.

(L'essentiel/tageblatt.lu )

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