US-Wahlen – Kandidaten-Bashing bei Fox News

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US-WahlenKandidaten-Bashing bei Fox News

Der TV-Sender Fox News ist das Sprachrohr der Republikaner. Bei den Primärwahlen macht der Sender aber alles, um jeden «eigenen» Kandidaten zu demontieren.

Um das Medienspektakel noch größer zu machen, hat Fox News dafür gesorgt, dass die republikanischen Bewerber noch mehr Fernsehdebatten absolvieren müssen. (Bild: Keystone)

Um das Medienspektakel noch größer zu machen, hat Fox News dafür gesorgt, dass die republikanischen Bewerber noch mehr Fernsehdebatten absolvieren müssen. (Bild: Keystone)

Der TV-Sender Fox News hetzt mit Vorliebe gegen US-Präsident Barack Obama oder die Linken und gilt als Sprachrohr der Konservativen. Politisch wolle der Sender vor allem eins: Obama aus dem Weißen Haus vertreiben und wieder einen Republikaner im höchsten Amt haben, schreibt der «Spiegel». Die republikanischen Anwärter müssten demnach beim Sender gut wegkommen, könnte man meinen. Doch dem ist nicht so. Ein Kandidat nach dem anderen wurde von Fox News demontiert und für viele Republikaner unwählbar gemacht. Noch wichtiger als der eigene Mann im Weißen Haus sind dem Sender offenbar gute Quoten. Und dafür braucht es das entsprechende Spektakel.

Als George W. Bush noch im Amt war, sei dies anders gewesen, schreibt der «Spiegel». So hat Bret Baier, der seit über 20 Jahren Moderator bei Fox News und sich mit der politischen Ausrichtung des Senders wohlfühlt, Bush nie hart in die Zange genommen. Vielmehr ließ er den bei vielen Fragen nicht immer ganz so eloquent wirkenden Präsidenten über unverfängliche Themen wie seine Ranch in Texas oder seine Lieblingswanderung plaudern. Ganz anders war dies bei Barack Obama. Innerhalb von 20 Minuten unterbrach ihn der Moderator 12 Mal, so der «Spiegel».

Ausschnitt aus einem Interview von Bret Baier mit Barack Obama zur Gesundheitsreform:

Romney wirkte hilflos, unvorbereitet, er stotterte, versuchte mit Lachen einer Antwort zu entkommen und machte damit für viele republikanische Wähler klar: «Dieser Mann ist nicht wählbar». Baier sei «zu aggressiv» gewesen, klagte Romney nach dem Interview laut «New York Times». Tatsächlich steht für den Bewerber viel auf dem Spiel. Fox News hat fast zwei Millionen Stammzuschauer, die meisten sind weiß, älter und mögen weder Schwule noch Ausländer.

Große Macht des TV-Senders

Es sind die Fox-News-Zuschauer, die die Primärwahlen entscheiden werden. Kurz nach dem Interview sank Romneys Zuspruch bei den Wählern denn auch deutlich. 40 Prozent der republikanischen Wähler sagen, sie informieren sich mehrheitlich bei Fox News, wie eine Umfrage der «New York Times» und «CBS» vom 7. Dezember 2011 zeigt. Mehr als die Hälfte aller Fox-News-Zuschauer sagte damals, sie würden für Newt Gingrich stimmen. Nur 12 Prozent von ihnen bevorzugten Mitt Romney. Entsprechend wurde auch Romneys Auftritt bei Bret Baier im Internet kommentiert. «Das Interview ist geradeaus, der 'Plastik-Junge' ist einfach unvorbereitet. Fox unterstützt jetzt Newt», schreibt ein Zuschauer.

Newt Gingrich, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, überflügelte kurz nach dem Interview von Mitt Romney den bisherigen Favoriten und führte für einige Tage die Umfragen an. Doch auch das hielt nicht lange. Inzwischen versucht Fox Gingrich als unzuverlässigen Herausforderer zu demontieren. Mit erstem Erfolg. Bei den Primärwahlen in Iowa musste sich Gingrich hinter Mitt Romney, Rick Santorum und Ron Paul mit dem vierten Platz zufrieden geben.

Auch andere aufstrebende Kandidaten sägte Fox News auf ihrem Höhepunkt ab. Als Michele Bachmann, die fromme Ikone der Tea Party-Bewegung, die Umfragen vor einigen Monaten noch anführte, fragten sich Fox-Moderatoren, ob sie überhaupt ernst zu nehmen sei. Rick Perry musste sich wochenlang die Vorwürfe gefallen lassen, dass er beim Denken nicht der Schnellste sei. Als daraufhin Pizzachef Herman Cain loslegte, führte Fox ausführliche Interviews mit den Frauen, die ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten. Cain zog daraufhin seine Kandidatur zurück.

Fox News entscheidet, wer Kandidat wird

«Gegen Fox News kann kaum jemand Kandidat der Konservativen werden», sagte Fred Barnes, Chef von «Weekly Standard». Doch noch wichtiger als ein republikanischer Präsident ist dem Sender, dass es kracht und entsprechend eingeschaltet wird.

Fox News wurde 1996 gegründet und überholte kurz darauf bereits Marktführer CNN. 2010 soll der Sender 800 Millionen Dollar Gewinn gemacht haben. Und da der Umsatz weiterhin hoch bleiben soll, werden die Republikaner nicht mehr geschont. Obama- und Linke-Bashing ist offenbar langweilig geworden. Fox News hat deshalb aus dem republikanischen Vorwahlkampf ein Medienspektakel gemacht.

Dahinter steht Fox-News-Senderchef Roger Ailes. Der 71-Jährige hat dafür gesorgt, dass republikanische Bewerber viel häufiger als früher im Fernsehen debattieren müssen. Die «New York Times» kommentiert dies mit den Worten: «Fox hat eine Reality-Sendung mit so vielen Kontroversen erschaffen, dass die Zuschauer einfach einschalten müssen.»

Bis zu fünf Millionen Fernsehzuschauer sahen sich jeweils die hitzigen Fox-Debatten an. Profitieren könnte davon Barack Obama. In aktuellen Umfragen liegt er vor jedem möglichen Herausforderer. Zufrieden macht dies Ailes aber auch nicht. Der Senderchef schaue sich deshalb bereits nach einem neuen Kandidaten um, heißt es. Einem unverbrauchten Kandidaten.

(L'essentiel Online/ske)

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