Long Covid – Kann Vitamin A den Geruchssinn zurückbringen?
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Long CovidKann Vitamin A den Geruchssinn zurückbringen?

Durch eine Coronainfektion verlieren viele Menschen den Geruchssinn. Britische Forschende wollen ihn mithilfe von Vitamin-A-haltigem Nasenspray zurückholen.

Wer sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert, verliert häufig auch seinen Geruchssinn. Es gilt als eines der typischen Symptome von Covid-19, das bei etwa zehn Prozent der Genesenen weiter bestehen bleibt und Teil des sogenannten Long Covids ist. Doch auch schon vor der Pandemie gab es Viren, die beim Menschen zu Geruchsverlust und -verzerrungen führen. Fachleute schätzen, dass insgesamt fünf Prozent der Menschen davon betroffen sind, wobei ein Zehntel der Geruchsausfälle auf Viren zurückzuführen ist. Ihnen hoffen britische Forschende künftig mithilfe von Vitamin A helfen zu können. Denn obwohl die meisten Menschen innerhalb weniger Wochen ihren Geruchssinn auf natürliche Weise wiedererlangen, bleiben doch viele Menschen mit anhaltenden Problemen zurück.

Sars-CoV-2 hat das Problem noch einmal vergrößert. «Etwa einer von zehn Menschen, die infolge von Covid-19 an Geruchsverlust leiden, berichten, dass sich ihr Geruchssinn vier Wochen nach der Erkrankung noch nicht wieder normalisiert hat», so Carl Philpott, Professor für Rhinologie und Olfaktologie an der University of East Anglia und des James Paget University Hosital. «Das ist ein großes Problem, und unsere früheren Forschungsarbeiten haben gezeigt, welche Auswirkungen der Geruchsverlust hat – einschließlich Depressionen, Angst und Isolation sowie Gefährdung durch Gefahren wie Gas und verdorbene Lebensmittel und Gewichtsveränderungen aufgrund von Appetitlosigkeit.» Auch für das Sexleben kann der Verlust des Geruchssinns negative Folgen haben.

Behandlungsbedarf durch Covid-19 enorm gestiegen

Das Team um Philpott knüpft mit seinem Forschungsvorhaben an Arbeiten von deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an, die gezeigt haben, dass sich die Beschwerden bei Personen, die mit Vitamin-A-Nasentropfen behandelt wurden, doppelt so stark verbesserten wie bei der unbehandelten Gruppe.

Konkret wollen Philpott und seine Kolleginnen und Kollegen untersuchen, wie sich das Vitamin einsetzen lässt, um durch Viren geschädigtes Gewebe in der Nase zu reparieren. «Der enorme Anstieg des durch Covid-19 verursachten Geruchsverlusts hat einen beispiellosen weltweiten Behandlungsbedarf geschaffen. Wir wollen herausfinden, ob es bei Patienten, die mit Vitamin-A-Nasentropfen behandelt werden, zu einer Zunahme der Größe und Aktivität geschädigter Geruchsbahnen im Gehirn kommt», erklärt Philpott das Vorhaben.

Zwölfwöchige Kur

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der britischen Studie erhalten entweder eine zwölfwöchige Kur mit nasalen Vitamin-A-Tropfen oder inaktiven äquivalenten Tropfen. Ihr Gehirn wird vor und nach der Behandlung untersucht. Die Scans werden mit denen einer Kontrollgruppe verglichen, die nicht mit Vitamin-A-Tropfen behandelt wurde.

«Die Patienten werden charakteristische Gerüche riechen – Rosen und faule Eier – während spezielle MRT-Gehirnscans gemacht werden. Wir werden nach Veränderungen in der Größe des Riechkolbens (Bulbus olfactorius) suchen – einem Bereich über der Nase, in dem sich die Geruchsnerven verbinden und mit dem Gehirn verbinden», erklärt Philpott in einer Mitteilung. Außerdem werde man sich auch die Aktivität in Bereichen des Gehirns ansehen, die mit der Erkennung von Gerüchen verbunden sind, fügte er hinzu. «Die Erforschung potenziell erfolgreicher Interventionen ist von entscheidender Bedeutung, um Menschen zu helfen, die Auswirkungen von Geruchsstörungen zu spüren, die die Qualität und den Genuss ihres Lebens beeinträchtigen.»

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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