Datenschutzgefahr: Katarische WM-Apps spionieren die Fans aus

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DatenschutzgefahrKatarische WM-Apps spionieren die Fans aus

Sie sammeln Daten wie Kontakte, Fotos und Videoaufnahmen: Zwei obligatorische WM-Apps aus Katar bergen Risiken für den Datenschutz und die Sicherheit der WM-Besucher. 

von
Karin Leuthold
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Fans aller Welt sollen bei der WM in Katar vorsichtig sein: Zwei Apps, die sie installieren müssen, spionieren ihre Geräte aus.

Fans aller Welt sollen bei der WM in Katar vorsichtig sein: Zwei Apps, die sie installieren müssen, spionieren ihre Geräte aus.

AFP
Die katarischen WM-Apps stellen ein massives Datenschutzrisiko dar, lautet eine Warnung der europäischen Datenschutzbehörden.

Die katarischen WM-Apps stellen ein massives Datenschutzrisiko dar, lautet eine Warnung der europäischen Datenschutzbehörden.

IMAGO/Bihlmayerfotografie
Mit der App Hayya kommt man in die Stadien oder kann mit dem ÖV fahren.

Mit der App Hayya kommt man in die Stadien oder kann mit dem ÖV fahren.

IMAGO/Rüdiger Wölk

Die katarischen WM-Apps stellen ein massives Datenschutzrisiko dar – so lautet eine Warnung der europäischen Datenschutzbehörden. Wer bei der Fußball-WM vor Ort ist, wird gezwungen, zwei Apps zu installieren: Ehteraz dient zur Nachverfolgung von Coronavirus-Infektionen und mit Hayya kommt man in die Stadien oder kann mit dem ÖV fahren. Das Problem: Die Daten, die von den Apps gesammelt werden, «gehen viel weiter», als in den Datenschutzhinweisen der Apps angegeben. 

«Eine der Apps sammelt Daten darüber, ob und mit welcher Nummer man telefoniert hat», schreiben die deutschen Datenschutzbehörden in einer Medienmitteilung. Die andere App verhindere aktiv, dass das Gerät, auf dem sie installiert ist, in den Schlafmodus wechsle. Offensichtlich sei zudem, dass die von den Apps verwendeten Daten nicht nur lokal auf dem Handy verbleiben, sondern auch an einen zentralen Server übermittelt würden.

Die Apps sollte man nur herunterladen, wenn es «absolut notwendig» ist, raten die deutschen Behörden zum Schluss. In dem Fall sollte man es auf einem anderen Telefon tun, auf dem keine weiteren persönlichen Daten gespeichert sind, wie etwa Telefonnummern, Bild- oder Tondateien. 

«Besondere Vorsicht» geraten

Wie das US-Portal «Politico» berichtet, sei auch die norwegische Aufsichtsbehörde über den umfangreichen Zugang, den die Apps erfordern, «alarmiert». «Es besteht die reale Möglichkeit, dass Besucherinnen und Besucher in Katar, insbesondere gefährdete Gruppen, von den katarischen Behörden überwacht werden», meldete die Behörde.

Die französische Datenschutzbehörde riet Fans «besondere Vorsicht» bei Fotos und Videos walten zu lassen. Reisende sollten die Apps erst kurz vor der Abreise installieren und nach der Rückkehr wieder löschen.

Sowohl Hayya wie auch Ehteraz wurden von europäischen Experten und Expertinnen klar als «Spionageprogramme» bezeichnet, da sie den katarischen Behörden einen umfassenden Zugriff auf die Daten der Besitzerinnen und Besitzer ermöglichen. Die Apps erlauben es den Behörden Katars, Inhalte zu lesen, zu löschen oder zu ändern und sogar Anrufe zu tätigen.

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