Parlament – Kein Spiegelbild der Gesellschaft

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ParlamentKein Spiegelbild der Gesellschaft

LUXEMBURG - Mehr als die Hälfte aller Abgeordneten sind Beamte, Arbeiter sind im Parlament in der Minderzahl.

Das Parlament sei von Eliten geprägt, sagt Ben Fayot.

Das Parlament sei von Eliten geprägt, sagt Ben Fayot.

Jeder zweite Abgeordnete ist Beamter, 13 von ihnen sind Lehrer. Dieses Verhältnis steht in keiner Relation zum Anteil der Funktionäre in der luxemburgischen Bevölkerung. Bei den Juristen sieht es ähnlich aus. Jeder vierte Abgeordnete ist von Hause aus Rechtsanwalt. Umgekehrt sind Arbeiter und Kaufleute im Parlament stark unterrepräsentiert.

«Die luxemburgische Wählerschaft besteht aus vielen Beamten und Leuten, die ihnen nahe stehen», erklärt der Sozialist Ben Fayot, der erstmals 1984 ins Parlament gewählt wurde. «Dieser Sektor ist vor allem Luxemburgern vorbehalten wohingegen im Privatsektor viele Angestellte nicht zur Wählerschaft gehören.»

Auch Frauen unterrepräsentiert

Zudem werde durch das Wahlsystem die soziale Durchmischung im Parlament nicht gerade gefördert. Dort würden vor allem Leute von Rang sitzen, die aufgrund ihrer Bekanntheit gewählt wurden. «Das Parlament war immer von den sozialen, wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten geprägt», sagt Fayot.

Wer es als Arbeiter ins Parlament schafft, habe sich zuvor ebenfalls einen Namen gemacht, zum Beispiel durch einen Posten als Gewerkschaftssekretär oder Bürgermeister. Doch nicht nur Nicht-Akademiker sind im Abgeordnetenhaus unterrepräsentiert. Auch Frauen befinden sich in der Minderheit. Während in der Bevölkerung das Verhältnis ausgewogen ist, ist im Parlament nur jeder vierte Abgeordnete weiblich.

L'essentiel Online/Jérôme Wiss

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