Gift-Zwerge – Killer-Kröten bedrohen Krokodile

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Gift-ZwergeKiller-Kröten bedrohen Krokodile

Seit die giftigen Agas den Norden Australiens erobern, sind Süßwasser-Krokodile vom Aussterben bedroht. Doch die Reptilien haben eine Lösung gefunden.

Kröten sollen Krokodile töten? Das klingt im ersten Moment ziemlich unglaubwürdig. Wenn man sich die Protagonisten jedoch etwas genauer anschaut, wird alles klar. Da ist erst mal das Australien-Krokodil. Es lebt in Süßwassergebieten und ist – verglichen mit seinen Kollegen aus dem Salzwasser – relativ scheu. Und auch eher klein. Besonders winzig sind die Exemplare, die sich im Norden des Kontinents tummeln, diese werden gerade mal 70 Zentimeter (Weibchen) bis 1,70 Meter (Männchen) groß. Wissenschaftler vermuten, dass das mit dem beschränkten Nahrungsangebot in der Region zu tun hat.

Und hier kommt die Aga-Kröte ins Spiel. Die ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent beheimatete Amphibie wurde um 1935 in Australien eingeführt, um Schädlinge auf Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen. Der Schuss ging gehörig nach hinten los: Nicht nur, dass die Kröten kaum etwas gegen die ungeliebten Käfer ausrichteten. Die Tiere verbreiteten sich zudem ungehemmt und wurden zur regelrechten Plage. Seit Jahrzehnten breiten sie sich von der Ostküste her ungehindert im ganzen Land aus.

Wie im Schlaraffenland

Seit ein paar Jahren haben sie nun die Region der Mini-Australien-Krokodile erreicht. Und damit begann die Katastrophe. Die stets hungrigen Reptilien wähnten sich urplötzlich im Schlaraffenland, füllten sich die Mägen – und verendeten unter schrecklichen Bauchschmerzen. Denn die Kröten sind nicht nur ziemlich unansehnlich, sie verfügen auch über hoch toxische Hautsekrete, mit denen sie ihre Feinde vernichten können.

Schon im Jahr 2008 schlugen Wissenschaftler deswegen Alarm. Die Zahl der an sich schon äußerst seltenen Mini-Krokodile hatte laut «Cosmos Magazine» in kürzester Zeit um rund 70 Prozent auf rund 400 Exemplare abgenommen. Relativ schnell wurde die Aga-Kröte als Schuldige entlarvt.

«Hätten sie bloß große braune Augen»

Die Forscher machten sich keine Illusionen. Vom Menschen war kaum Hilfe zu erwarten, Krokodile sind schließlich nicht gerade Sympathieträger. «Wenn die Opfer Wale wären oder irgendeine Tierart mit großen braunen Augen, würden alle sofort gegen das Drama Sturm laufen», beklagte sich Grahame Webb, damals Direktor des Wildlife Management International in der nordaustralischen Stadt Darwin, 2008 im «New Scientist».
Und auch den Krokodilen trauten die Wissenschaftler nicht zu, dass sie sich den veränderten Umständen anpassen können. Hatten die Tiere doch überhaupt keine Übung darin, neue Überlebensstrategien entwickeln zu müssen. Doch da haben sie sich in den Reptilien getäuscht.

(L'essentiel Online/kmo)

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