Bildung in Luxemburg – Kinder sollen digitale Medien bewusst benutzen

Publiziert

Bildung in LuxemburgKinder sollen digitale Medien bewusst benutzen

LUXEMBURG – Die Verwendung digitaler Medien bei Kindern löst oft Skepsis aus. Um schädliche Auswirkungen zu vermeiden, werden regelmäßig Sensibilisierungskampagnen durchgeführt.

Digitale Medien werden nicht in jeder Unterrichtsstunde eingesetzt.

Digitale Medien werden nicht in jeder Unterrichtsstunde eingesetzt.

Pixabay

«Die Verwendung digitaler Medien und Techniken verringert die kognitiven Fähigkeiten von Kindern.» Diese Behauptung stellte der deutsche Neurologe Manfred Spitzer am 24. Oktober im Rahmen einer Konferenz der ASBL Blëtz in Bettemburg in den Raum. Spitzers Ansicht nach verbringen Kinder zu viel Zeit vor dem Bildschirm. «Tablets und Computer sind keine Lehrmittel», sagt der Autor von «Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft»*. Er sieht «eine Bedrohung für unsere geistige und körperliche Gesundheit», die mit einem Rückgang der Aufmerksamkeit und Schlafmangel einhergehe. «Wenn wir die Kinder so weitermachen lassen, wie sie es heute tun, wird es problematisch», warnt der Fachmann.

Der Regierung seien die Risiken bewusst. Dennoch werden regelmäßig Tablets und Laptops an Schüler verteilt. Am Ende des vergangenen Schuljahres waren insgesamt 3491 Klassen der Sekundarstufe mit Mobilgeräten ausgestattet. Nach Angaben des Bildungsministeriums sollte die Schule dafür sorgen, dass Kinder «digitale Inhalte nicht passiv konsumieren, sondern verantwortungsvoll mit der Digitalisierung umgehen». Dementsprechend würden regelmäßig Sensibilisierungskampagnen – wie Anfang 2020 – durchgeführt.

«Ein allgegenwärtiges Thema»

«Bildschirme müssen nicht verteufelt werden», sagt das Bildungsministerium. Es sei «völlig normal, dass digitale Tools im Bildungsalltag eingesetzt werden», da sie «einen echten Mehrwert» böten. Vielmehr gehe es darum, dass digitale Medien dem Alter der Schüler entsprechend angepasst seien, in einem bestimmten Rahmen eingesetzt werden und ihre Nutzung zeitlich begrenzt bleibe. Die Empfehlungen basieren auf der Arbeit von Serge Tisseron, französischer Psychoanalytiker und Psychiater. Sein Hauptprogramm besteht aus Leitlinien für Kinder im Alter von drei, sechs, neun und zwölf Jahren. Seit der Entstehung 2008 sei sein Programm stetig weiterentwickelt worden.

Die angemessene Nutzung von Bildschirmen sei «ein allgegenwärtiges Thema» in der persönlichen Sprachbeurteilung, die Kindern im Alter von 30 Monaten kostenlos angeboten werde, so die Gesundheitsbehörde. Man sei sich über «die anhaltenden Auswirkungen einer Unterstimulierung des zentralen Nervensystems in den ersten Lebensjahren» durchaus bewusst.

*Manfred Spitzer, «Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft» – Klett-Cotta Verlag. 15.31 Euro.

(Joseph Gaulier/L'essentiel)

Deine Meinung