Mordfall Christina – Kindsmörder 26 Jahre nach Tat verurteilt

Publiziert

Mordfall ChristinaKindsmörder 26 Jahre nach Tat verurteilt

Dank DNA-Analyse konnte der lange zurückliegende Mord an der kleinen Christina im deutschen Salzgitter geklärt werden. Der 46-jährige Täter wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Der Mord an der neunjährigen Christina aus Osnabrück ist endlich geklärt.

Der Mord an der neunjährigen Christina aus Osnabrück ist endlich geklärt.

Der heute 46-jährige Thomas O. sitzt hinter Gittern. Das Landgericht Osnabrück hat den Mann zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. O. hatte am 27. November 1987 die neunjährige Christina erst versucht zu vergewaltigen und danach getötet.

Dass O. nun doch noch für den Mord verurteilt wurde, ist der heutigen DNA-Analysetechnik zu verdanken. Im vergangenen Jahr hatten die Ermittler Spuren des Täters auf einem Kleidungsstück des Mädchens gesichert. Nachdem der Fall in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» ausgestrahlt worden war, hatten sich erneut Zeugen gemeldet. Kinder hatten damals in der Nähe des Tatorts einen Mann mit roten Haaren gesehen. Und auch ein pensionierter Kriminalbeamter deutete im Gerichtssaal auf Thomas O. , der schon vor 26 Jahren ins Visier der Polizei geraten war.

Christina im Garten attackiert

In einem verwilderten Garten habe er versucht, das Kind zu vergewaltigen. Als sie gedroht habe, ihrer Mutter von dem Missbrauch zu erzählen, habe er ihr etwas in den Mund gesteckt. Seine Erinnerung an den genauen Tathergang sei aber sehr lückenhaft. «Ich habe erst wieder registriert, wie ihre Arme von mir abfielen, dann bin ich weg», gestand er mit stockender Stimme.

Mörder hätte Mordprozess entkommen können

Der 46-Jährige war aufgrund der damaligen Ermittlungsmethoden – trotz dringendem Tatverdacht – davongekommen, weil er ein Alibi vorweisen konnte. Und auch jetzt hätte Thomas O. einem Mordprozess entkommen können, hätte er behauptet, dass es sich um einen Totschlag gehandelt habe, erklärte der Pressesprecher des Landgerichts, Holger Janssen, gegenüber der «Süddeutschen Zeitung».

Niemand hätte ihm das Gegenteil beweisen können, so Janssen weiter. Ein Totschlag wäre verjährt, ebenso wie es auch die versuchte Vergewaltigung ist. Hätte er den Vorwurf geleugnet, wäre Thomas O. ein freier Mann geblieben. Er wolle sich aber der Verantwortung stellen, hatte sein Anwalt gesagt: «Mein Mandant war erleichtert und betrübt, sagte, ich bin froh, dass es vorbei ist. Er ist bereit, den Angehörigen offene Fragen zu beantworten.»

Beim Prozess wurde O. nach dem Jugendstrafrecht von 1987 verurteilt, weil er zur Tatzeit 19 Jahre alt war. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert, die Verteidigung hielt sechseinhalb Jahre für angemessen. O. hatte in seinem Schlusswort um Entschuldigung für das Verbrechen gebeten. Erklären könne er das Verbrechen an dem kleinen Mädchen nicht, sagte er.

(L'essentiel/kle)

Deine Meinung